«Ohne unseren Schutz würde Riad nicht mehr existieren»

STAATSBESUCH ⋅ Donald Trump reist nicht als Brückenbauer, sondern als Geschäftsmann nach Saudi-Arabien.
19. Mai 2017, 07:40

Als Barack Obama 2009 in Kairo die historische Grösse des Islams lobte und die Kraft der Erfindung und Innovation muslimischer Denker hervorhob, hielt die arabische Welt für einen Moment den Atem an. «Der Islam ist auch ein Teil von Amerika», hatte der damalige US-Präsident verkündet – und damit Erwartungen geschürt, die am Ende nicht erfüllt wurden. Über eine «friedliche Vision des Islams» will auch Obamas Amtsnachfolger Donald Trump während seines Staatsbesuches in Saudi-Arabien sprechen. Einen grossen Wurf erwartet niemand. Trump sieht sich bekanntlich nicht als Brückenbauer zwischen den Religionen. Bereits während seines Wahlkampfes hatte er klargestellt, dass er mit dem «phänomenal reichen» Saudi-Arabien Geschäfte machen will.

«Ohne uns, ohne unseren Schutz würde Saudi-Arabien nicht mehr existieren», sagte er in einem Interview mit der «New York Times». Dies sei von saudischer Seite allerdings nie honoriert worden, so Trump weiter. Mit «Peanuts» für den teuren Schutz des Wüstenkönigreiches werde man sich künftig nicht mehr abspeisen lassen.

Rüstungsdeal als saudische «Gegenleistung»

Auf die Äusserungen des neuen Mannes im Weissen Haus hatten die Saudis schnell reagiert. Nur zwei Monate nach Trumps Einführung schickte König Salman seinen jüngsten Sohn und Verteidigungsminister in die USA. Mohammed bin Salman schnürte dort einen Rüstungsdeal über 128 Milliarden Dollar. Darin eingeschlossen sind auch «umfangreiche Wartungskosten», also die von Trump geforderten Gelder für den Schutz Riads.

Trump will in Saudi-Arabien den Aufbau einer «arabischen Nato» vorantreiben, die – mit US-Waffen – den islamistischen Terror bekämpfen und den Iran in Schach halten soll. Die Idee ist nicht neu. Der auf dem Araber-Gipfel von Kairo vor zwei Jahren vereinbarte Aufbau einer «panarabischen Streitmacht» hat aber bis heute nicht begonnen.

Euphorisch sind die saudischen Gastgeber dennoch. Für den kommenden Sonntag haben sie die Regierungschefs von 55 muslimischen Staaten nach Riad eingeladen. Unter den Ehrengästen ist Sudans Präsident Omar ­al-Baschir, der wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit vom Internationalen Strafgerichtshof per Haftbefehl gesucht wird.

Saudische Angriffspläne gegen den Iran

Dass ein Massenmörder unter den Staatsgästen ist, wird der guten Stimmung keinen Abbruch tun. Riad glaubt Amerika so fest an seiner Seite, dass der saudische Königssohn schon Angriffspläne gegen den verhassten Iran hegt. «Wir werden nicht warten, bis die Schlacht auf unserem ­Boden stattfindet, sondern die Schlacht in den Iran tragen», drohte der 31-jährige Mohammed bin Salman unlängst in einem Gespräch mit dem Fernsehsender Al Arabija. Die Schiiten, behauptete er, wollten Mekka erobern, um fortan die 1,6 Milliarden sunnitischen Muslime zu beherrschen.

Westliche Diplomaten in Riad halten es für unwahrscheinlich, dass sich Trump vom neuen starken Mann in Saudi-Arabien für dessen Kriegspläne einspannen lassen wird. Trump gehe es um lukrative Geschäfte, die in der Heimat neue Arbeitsplätze schafften. Ein Krieg gegen den Iran stehe nicht auf der Agenda.

Dass die neue saudisch-amerikanische Liebe Grenzen hat, machte Trump bereits deutlich. Während Obama ein 2016 verabschiedetes Gesetz zu verhindern versuchte, das den Opfern des 11. September ermöglichen könnte, die saudische Regierung wegen ihrer mutmasslichen Mitwisserschaft an den Attentaten zu verklagen, sprach sich Trump für die Ratifizierung des Gesetzes aus. Es gebe geheime Papiere, die bewiesen, dass Saudis beteiligt waren, hatte Trump im Wahlkampf verkündet – dies seither aber nicht bekräftigt. (mwl)


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