Kommentar

UCK-Wahlsieg: Stabilität in Gefahr

KOSOVO ⋅ Korrespondent Rudolf Gruber zum Wahlsieg der Rebellenbewegung UCK im Kosovo.
13. Juni 2017, 05:04

Der Kosovo steht nicht zuoberst auf der politischen Agenda der EU. Wegen der Flüchtlings- und der Schuldenkrise sowie des Brexit ist sie vor allem mit sich selbst beschäftigt. Nach dem Ergebnis der Neuwahlen wird sich Brüssel nun gezwungenermassen wieder stärker mit der kleinen Balkanrepublik befassen müssen. Denn die nächste Regierung des Kosovos steht für eine Radikalisierung der Politik zwecks Machterhalt. Die politische Stabilität in der Region steht auf dem Spiel.

Die ehemaligen UCK-Rebellenführer, die den Kleinstaat seit Ende des Krieges im Jahr 1999 dominieren, haben nur dank einer Wahlallianz gewonnen. Ohne das Zweckbündnis hätten sie verloren, weil sie namentlich bei der jungen Generation massiv Vertrauen einbüssten.

Jetzt rächt sich, dass die USA und die EU bislang die Kriegsverbrechen der Rebellenbewegung UCK weitgehend ignoriert haben. 1999 ging es nur darum, den Krieg zwischen Serbien und dem Kosovo mit Hilfe der Nato zu stoppen und die Region zu befrieden. Mit der Installierung eines Sondertribunals in Den Haag, das im Herbst die Arbeit aufnehmen soll, will man das Versäumte nachholen. Dagegen wird sich die ehemalige UCK-Elite, die fast geschlossen auf der Anklagebank Platz nehmen müsste, zu wehren wissen.

Rudolf Gruber, Wien

nachrichten@luzernerzeitung.ch


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