Rohani siegt bei Präsidentenwahl klar

IRAN ⋅ Der moderate iranische Präsident Hassan Rohani hat die iranische Präsidentenwahl klar gewonnen: Der 68-Jährige kam bei der Abstimmung am Freitag auf 57 Prozent, wie Innenminister Abdolresa Rahmani Fasli am Samstagnachmittag mitteilte.
Aktualisiert: 
20.05.2017, 13:21
20. Mai 2017, 06:38

Sein konservativer Herausforderer Ebrahim Raisi erhielt lediglich 38,3 Prozent. Dies gibt Rohani ein klares Mandat, seinen Kurs der Öffnung und Entspannung fortzusetzen.

Das Staatsfernsehen, das direkt dem geistlichen Oberhaupt Ayatollah Ali Chamenei untersteht, gratulierte Rohani schon am Mittag zum Sieg. Vize-Präsident Eshagh Dschahangiri, der bei der Wahl Rohani unterstützte, gratulierte den Iranern, "ein riesiges und denkwürdiges Epos auf dem Weg der Weisheit und der Hoffnung" geschaffen zu haben.

Die Iraner waren am Freitag in so grosser Zahl zu den Urnen geströmt, dass die Wahl mehrmals verlängert wurde, und die Wahllokale schliesslich erst um Mitternacht schlossen. Chamenei drang ebenso wie die Kandidaten auf eine rege Wahlbeteiligung, da dies im Iran als Beweis für die Legitimität des Systems gewertet wird.

Laut dem Innenminister lag die Wahlbeteiligung bei 73 Prozent. Rohani erhielt demnach 23,5 Millionen Stimmen, während Raisi auf 15,8 Millionen kam. Der Aussenpolitikexperte Foad Isadi von der Universität Teheran sagte, der klare Sieg werde Rohani im Ringen um mehr Freiheit gegenüber den Konservativen in Justiz und Sicherheitsapparat stärken.

Abfuhr für Konservative

Auch wenn der Präsident über eine begrenzte Macht verfügt und das Sagen letztlich Chamenei hat, ist Rohanis Wahl von grosser Bedeutung. Das Volk ruft nach mehr Freiheiten und wirtschaftlicher Öffnung. Der konservativen Geistlichkeit und den mächtigen Revolutionsgarden, die auch weite Bereiche der Wirtschaft des ölreichen Landes kontrollieren, erteilte die Bevölkerung eine Abfuhr.

"Ich bin sehr glücklich, dass Rohani gewonnen hat", sagte der 37-jährige Mahnaz, der für den Präsidenten gestimmt hat und ein Anhänger der Reformer ist. "Wir haben gewonnen. Wir haben uns dem Druck nicht gebeugt. Wir haben ihnen gezeigt, dass es uns noch immer gibt."

Rohani und das Lager der Reformer erhielten ein deutliches Mandat für ihre Politik - trotz der Ungeduld vieler Iraner, denen die versprochenen Veränderungen zu lange dauern und der Wirtschaftsaufschwung zu schleppend vorankommt.

Versprechen in zweiter Amtszeit einlösen

Wichtigster Erfolg Rohanis ist bisher das internationale Atomabkommen, das im Januar 2016 zur Aufhebung der im Atomstreit verhängten Sanktionen gegen den Iran führte. Raisi stellt zwar das Abkommen nicht generell in Frage, da es die Billigung von Chamenei hat, doch warf er Rohani vor, zu wenig daraus gemacht zu haben.

Zwar ist es Rohani in seiner ersten Amtszeit gelungen, den Niedergang der Wirtschaft aufzuhalten, die Inflation zu senken und die Währung zu stabilisieren, doch kamen weniger ausländische Investitionen als erhofft. Die Arbeitslosigkeit bleibt hoch, und die Schaffung von Jobs ist angesichts einer sehr jungen Bevölkerung eine riesige Herausforderung für die Regierung.

Rohani bat im Wahlkampf die Iraner um mehr Zeit, um Nutzen aus dem Atomabkommen zu ziehen. Er versprach zudem eine Stärkung der Bürgerrechte und mehr kulturelle Freiheiten. Sein konservativer Gegner stehe für "Hinrichtungen und Gefängnis" und eine "Logik des Verbots", warnte Rohani, und verstehe nichts von Diplomatie.

Wirtschaftlicher Populismus verfängt nicht mehr

Der 56-jährige Geistliche Raisi, der Karriere in der Justiz machte, bevor er vergangenes Jahr zum Leiter einer einflussreichen religiösen Stiftung ernannt wurde, warf dem Amtsinhaber dagegen vor, Politik für die Reichen zu machen. Er versprach, mit einem härteren Kurs gegenüber dem Westen "den Scheck" des Atomabkommens einzulösen.

Der Iranexperte Ali Vaez von der International Crisis Group sagte, das Ergebnis zeige, dass das Versprechen "wirtschaftlichen Populismus' und radikalen Wandels" nicht länger verfange. Die Iraner hätten "die Reife, zu verstehen, das die Lösung für die Probleme des Landes in kompetentem Management und internationaler Mässigung liegt".

Ruhani war 2013 mit 50,7 Prozent gewählt worden. Ausser Rohani und Raisi traten noch zwei andere Kandidaten an, doch kamen sie nur auf wenige Prozent der Stimmen. Zwei weitere Kandidaten hatten sich bereits im Vorfeld zurückgezogen. Der umstrittene frühere Präsident Mahmud Ahmadinedschad war wie hunderte andere Bewerber nicht zur Wahl zugelassen worden. (sda/afp/reu)

Anzeige: