Bündnis von Friedensaktivisten

ATOMWAFFENFREIE WELT ⋅ Sollte das norwegische Nobelkomitee dieses Jahr die Absicht gehabt haben, mit dem Friedensnobelpreis junge Menschen für die Vision einer atomwaffenfreien Welt zu motivieren, hat es mit dem jüngsten Entscheid keine schlechte Wahl getroffen: Die internationale Kampagne zur weltweiten Ächtung von Atomwaffen (Ican).
06. Oktober 2017, 22:12

Nicht nur, dass die Schwedin Beatrice Fihn, Generalsekretärin von Ican, erst 34 Jahre alt ist und im Ican-Büro, im vierten Stock des Gebäudes des Weltkirchenrates in Genf, alle vier Angestellten unter 35 Jahre alt sind, auch das Bündnis ist noch jung: Aus 468 Friedensgruppen und Organisationen in 101 Ländern bestehend, die sich für die Abrüstung engagieren, existiert Ican gerade einmal seit zehn Jahren. «Wir waren geschockt, dann haben wir gekichert und zuerst gedacht, der Anruf sei ein Scherz», so laut Fihn die erste Reaktion der Ican-Mitarbeiter, als sie gestern der Anruf aus Oslo erreichte.

Vor zehn Jahren in Wien gegründet

Das Bündnis wurde im Jahr 2007 am Rande einer Konferenz zum Atomwaffensperrvertrag in Wien von mehr als 300 Nichtregierungsorganisationen gegründet. Damals war die weltweite Anti-Atom-Bewegung noch in viele Einzelakteure zersplittert. Mit Ican erhielten sie nun eine Plattform, um ihre Arbeit zu kanalisieren und dadurch mehr Druck aufzubauen. Zum Ican-Jahresbudget von rund einer Million Dollar tragen vor allem private Spenden, aber auch die Europäische Union und Länder wie Deutschland, Norwegen, die Schweiz und der Vatikanstaat bei. Das Preisgeld des nun gewonnenen Friedensnobelpreises entspricht in etwa einem Jahresbudget.

Ican hat sich für seine Arbeit andere Abrüstungsverträge, die auf Initiative der Zivilgesellschaft entstanden, zum Vorbild genommen – etwa das internationale Übereinkommen zum Verbot von Landminen oder entsprechende Verträge zum Verbot von Streumunition und chemischen Waffen.

Das nun mit dem Friedensnobelpreis bedachte Bündnis will mit der internationalen Ächtung von Atomwaffen Regierungen unter Druck setzen, die sich diesem Ziel verweigern. Der entsprechende Vertrag wurde erst im vergangenen Juli von einer Mehrheit der UNO-Staaten und gegen den Widerstand der Atommächte sowie von deren Verbündeten unterzeichnet. Er verbietet Herstellung, Besitz, Einsatz und Lagerung von Atomwaffen. Er tritt in Kraft, wenn ihn 50 Staaten ratifiziert haben. Fihn rechnet damit, dass es Ende nächsten Jahres so weit sein könnte.

Seit drei Jahren ein Schweizer Ableger

Ican hat auch einen Schweizer Ableger. Dieser existiert seit Mai 2014 und hat sein Büro ebenfalls in Genf. Ican ­Switzerland sieht seine Aufgabe darin, die Schweizer Öffentlichkeit über die «katastrophalen humanitären Aus­wirkungen von Atomwaffen» aufzu­klären. Die Abschaffung von Atomwaffen sei eine dringende humanitäre ­Notwendigkeit, heisst es im Webauftritt des Schweizer Ablegers. «Jeder Ein- satz einer Nuklearwaffe hätte katastrophale Auswirkungen», so Ican Switzerland. Deshalb sei die Vernichtung von Nuklearwaffen durch einen umfas­senden Verbotsvertrag die einzige Garantie, dass diese Waffen nicht eingesetzt würden.

Gegenwärtig hat der Schweizer Ableger von Ican sieben Partnerorganisationen. Darunter sind Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz, Schweizer Anwälte für atomare Abrüstung, das Basel Peace Office, die Ärztinnen für soziale Verantwortung und zur Verhütung eines Atomkriegs sowie der Anti-Atom-Verein Klar!Schweiz. (cla.)

 


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