Kirstjen Nielsen – die neue Beschützerin von Donald Trump

KARRIERE ⋅ Die 45-jährige Kirstjen Nielsen soll neue US-Sicherheitsministerin werden und damit an der Spitze einer Behörde mit 240'000 Angestellten stehen.
13. Oktober 2017, 07:12

Im Weissen Haus wurde Kirstjen Nielsen angeblich immer wieder mit Kardinal Joseph Ratzinger verglichen, der rechten Hand von Papst Johannes Paul II. – eine Persönlichkeit, die das Rampenlicht scheut, aber hinter den Kulissen für Disziplin und Loyalität sorgt und als Vollstrecker gilt. So wie Ratzinger, der 2005 zum Nachfolger von Johannes Paul II. gewählt wurde, erhält nun auch Nielsen die Gelegenheit, zu beweisen, dass sie auf eigenen Beinen stehen kann. Am Donnerstag gab Präsident Donald Trump bekannt, dass die 45-Jährige künftig das Sicherheitsministerium (Department of Homeland Security) leite. Die Personalie muss noch durch den Senat bestätigt werden.

Damit wird Nielsen indirekt Nachfolgerin ihres Chefs John Kelly, der vor seiner Ernennung zum Stabschef im Weissen Haus der Monsterbürokratie ein halbes Jahr vorstand. Sie gehörte dabei zu den wichtigsten Beratern des 4-Sterne-Generals im Ruhestand, sowohl im Ministerium als auch im Weissen Haus. Es wäre aber falsch, aufgrund des Vertrauensverhältnisses, das zwischen Kelly und Nielsen existiert, von Günstlingswirtschaft zu sprechen. Ganz im Gegenteil: Die Juristin, die sich auf Cyber Security spezialisiert hat, ist mit dem Ministerium wohlvertraut. Bereits kurz nach der Gründung der Behörde, im Nachgang zu den Terroranschlägen am 11. September 2001, half sie bei der Gründung der Transportation Security Administration (TSA) mit – der Behörde, die unter anderem mit der Sicherung von Flughäfen beschäftigt ist. Unter dem damaligen Präsidenten George W. Bush amtierte Nielsen auch in einem einflussreichen sicherheitspolitischen Beratungsgremium und zeigte im Nachgang zur Katastrophe, die der Hurrikan «Katrina» in New Orleans angerichtet hatte, schonungslos die Fehler der bundesstaatlichen Katastrophenschutzbehörde Fema auf.

Republikanische Sicherheitspolitiker äusserten sich in ersten Stellungnahmen begeistert über die Wahl Trumps und lobten die Führungseigenschaften von Nielsen und ihren reichen Erfahrungsschatz. Demokraten gaben sich skeptischer. So kritisierte der Abgeordnete Bennie Thompson, führender Vertreter seiner Partei im sicherheitspolitischen Ausschuss des Repräsentantenhauses, die Nähe zwischen der designierten Ministerin und dem Weissen Haus. Es sei ungemein wichtig, dass das Department of Homeland Security unpolitisch bleibe, sagte Thompson – und das Weisse Haus, via Stabschef Kelly und seine Vertraute Nielsen, nicht plötzlich den Ton angebe.

Das Sicherheitsministerium beschäftigt gegen 240 000 Angestellte, verfügt über ein Budget von mehr als 40 Milliarden Dollar und ist unter anderem zuständig für den Schutz der Landesgrenze, den Zoll, die Beschützung des Präsidenten sowie den Kata­strophenschutz.

Glaubt man der Washingtoner Gerüchteküche, dann wurde die Nachricht von der Nomination Nielsens insbesondere im Weissen Haus mit Begeisterung aufgenommen. Künftig, so heisst es in den Gängen des Präsidentensitzes, werde «Kardinal Ratzinger» oder «Oberschwester Ratched» – so wird Nielsen in Anspielung auf eine Figur im Roman «Einer flog über das Kuckucksnest» auch genannt – nicht mehr versuchen, den Zugang zu Präsident Trump zu beschränken.

 

Renzo Ruf, Washington

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