Druck auf umstrittenen Senatskandidaten nimmt zu

USA ⋅ Führende Politiker der Republikanischen Partei distanzieren sich von Roy Moore, einem Parteifreund aus Alabama, der Senator werden will. Dieser soll vor vier Jahrzehnten junge Mädchen sexuell belästigt haben.
15. November 2017, 07:38

Die Luft um den umstrittenen republikanischen Senatskandidaten Roy Moore wird dünner. Gestern hat sich nun auch Jeff Sessions von dem ehemaligen Richter distanziert, dem unsittliche sexuelle Handlungen mit Teenagern vorgeworfen werden.

«Ich habe keinen Grund, diesen jungen Frauen nicht zu glauben», sagte der US-Justizminister während einer Anhörung im Repräsentantenhaus. Diese Aussage des Koordinators der bundesstaatlichen Strafverfolgungsbehörden ist aus zwei Gründen pikant. Erstens handelt es sich bei Sessions und Moore um Parteifreunde, die zwar unterschiedliche Karrierewege beschritten haben, sich aber über die Jahre hinweg immer wieder begegneten. Und zweitens strebt Moore sozusagen die Nachfolge Sessions’ an. Der heutige Justizminister war vor seiner Berufung an die Spitze des Department of Justice Senator in Alabama; als er zu Jahresbeginn zurücktrat, ernannte der damalige Gouverneur von Alabama Luther Strange zu Sessions’ Nachfolger. Strange aber verlor im September die Stichwahl um die Nomination zum Senatskandidaten gegen Moore.

Der frömmelnde Ex-Richter steht seit vergangenem Donnerstag im Zentrum einer Kontroverse, die sich fast täglich ausweitet. Die «Washington Post» berichtete vorige Woche, dass Moore an seinem Wohnort Gadsen in den Siebziger- und frühen Achtzigerjahren – er war damals Junggeselle und älter als 30 Jahre – eine seltsame Vorliebe für junge Mädchen gezeigt habe. Eines dieser Mädchen, die damals 14-jährige Leigh Corfman, sagte der «Post», sie sei zu Beginn des Jahres 1979 von Moore geschändet worden. Am Montag meldete sich dann ein weiteres Opfer zu Wort. Beverly Young Nelson sagte an einer Pressekonferenz, Moore habe sich an ihr 1977 vergriffen, als sie 16 Jahre alt gewesen sei. Lokalmedien berichteten daraufhin, dass es in Gadsen ein offenes Geheimnis gewesen sei, dass Moore – zum Zeitpunkt der Vorwürfe ein lokaler Staatsanwalt – immer wieder jungen Mädchen nachgestellt habe.

Führende Republikaner haben sich seither von Moore distanziert. Moore hat immer wieder Kritik am Establishment der Präsidentenpartei geübt. Sowohl Mitch McConnell, Fraktionschef im Senat, als auch Paul Ryan, Präsident des Repräsentantenhauses, haben Moore aufgefordert, seine Kandidatur zurückzuziehen. Moore lehnt dies bisher ab.

Die Wahl in Alabama findet am 12. Dezember statt; nebst Moore kandidiert auch der Demokrat Doug Jones. Aktuelle Umfragen prognostizieren ein Kopf-an-Kopf-Rennen – obwohl letztmals im Jahr 1992 ein Mitglied der Demokratischen Partei eine Senatswahl im konservativen Südstaat Alabama gewann.

 

Renzo Ruf, Washington


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