Fatah zurückhaltend zu Hamas-Angebot

NAHOST ⋅ Zehn Jahre nach der gewaltsamen Übernahme der Kontrolle im Gazastreifen hat die Hamas ihre Bereitschaft zum Einlenken bekundet. Die rivalisierende Fatah-Organisation reagierte mit zurückhaltendem Optimismus.
17. September 2017, 09:39

In einer Mitteilung an Medien teilte die radikal-islamische Palästinenserorganisation am frühen Sonntag mit, sie sei bereit, die Kontrolle der Küstenenklave an die Regierung des Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas zu übergeben. Hamas erklärte sich bereit, ein Verwaltungskomitee für den Gazastreifen aufzulösen.

Ausserdem stimme die Organisation allgemeinen Wahlen zu, hiess es in der Mitteilung. Man sei zu Versöhnungsgesprächen mit der rivalisierenden Fatah unter ägyptischer Vermittlung bereit.

Fatah und Hamas lieferten sich jahrelang einen blutigen Bruderkrieg. Bisher scheiterten alle Versöhnungsversuche. 2014 bildeten die beiden grössten Palästinenserorganisationen eine Einheitsregierung und kündigten allgemeine Wahlen an. Auch diese Initiative scheiterte jedoch.

Zuletzt hatte die Fatah-Organisation von Abbas den Druck auf die Hamas erhöht. Auf Wunsch von Abbas kürzte Israel etwa die Stromlieferungen in den Gazastreifen. Menschenrechtler warnten vor katastrophalen Zuständen in dem Küstenstreifen, in dem rund zwei Millionen Menschen leben.

Fatah zurückhaltend

Ein ranghohes Mitglied der Fatah reagierte am Sonntag mit verhaltenem Optimismus auf das Versöhnungsangebot der Hamas. Mahmud al-Alul, Mitglied des Fatah-Zentralkomitees und Vize des Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas, sprach im palästinensischen Radiosender von "guten Nachrichten". Er blieb jedoch skeptisch, ob dies wirklich zu einer umfassenden Versöhnung der beiden grössten Palästinenserorganisationen führen wird.

"Was wir bisher gehört haben, sind gute Nachrichten, und wir hoffen, dass es stimmt", sage Al-Alul. "Wir wollen ein Ende der Kluft (zwischen Hamas und Fatah) sehen, aber wir wollen nicht übereilt reagieren." Es gebe noch zu viele Einzelheiten, die geklärt werden müssen. Bisher sind alle Versöhnungsversuche zwischen Hamas und Fatah gescheitert, obwohl es schon mehrere Vereinbarungen gab.

"Wir müssen abwarten und sehen, wie viele Bedingungen der vorherigen Abkommen wir umsetzen können", sagte Al-Alul. Man warte auf Nachrichten einer Fatah-Delegation in Kairo unter Leitung von Asam al-Ahmad. (sda/dpa)

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