Fleisch- und Milchkonzerne am Klima-Pranger

UNO-KLIMAKONFERENZ ⋅ Die 20 grössten Fleisch- und Milchkonzerne der Welt, darunter Nestlé, verursachen jedes Jahr mehr Treibhausgase als Deutschland. Nichtregierungsorganisationen (NGO) fordern deshalb von den Konzernen, Gegensteuer zu geben.
10. November 2017, 13:51

Allein die drei grössten Fleischkonzerne der Welt, die brasilianische JBS und die zwei US-Konzerne Tyson und Cargill, stossen mit jährlich 484 Millionen Tonnen CO2 rund 10 Mal mehr Treibhausgase aus als die Schweiz.

Die Milchsparte des Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé kommt auf 22 Millionen Tonnen, rund die Hälfte des Klimagas-Ausstosses der Schweiz, wie die Schweizer Hilfsorganisation Swissaid am Freitag mitteilte. Sie stützt sich dabei auf Berechnungen des US-Institute for Agriculture & Trade Policy, dem NGO GRAIN und der Heinrich-Böll-Stiftung, die diese Woche veröffentlicht wurden.

Die klimaschädliche Wirkung der Tierhaltungsindustrie sei auch im Vergleich mit Energie- und Öl-Konzernen deutlich. Die grössten fünf Fleisch- und Milchproduzenten verursachten mit 578 Mio. Tonnen CO2/Jahr zusammen mehr Treibhausgase als die Energieriesen ExxonMobil (577) oder BP (448), geht aus der Studie hervor.

Enormes Potenzial

Die Unternehmen müssten bei ihrer eigenen Verarbeitung und beim Monitoring in der Landwirtschaft für weniger Treibhausgase sorgen, erklärte Swissaid-Geschäftsleiterin Caroline Morel auf Anfrage. Als Beispiel nannte sie den Verzicht auf importiertes Futtermittel.

Neben den Unternehmen stünden natürlich auch die jeweiligen Länder mit ihrer Landwirtschaftspolitik in der Pflicht, fügte sie an. Es brauche eine nachhaltige Landwirtschaft, welche die Lebensgrundlagen zukünftiger Generationen erhalte.

Das Potenzial für Schritte gegen den Klimawandel sei in der Landwirtschaft enorm, sagte der deutsche Landwirtschaftsminister Christian Schmidt am Freitag an einer Veranstaltung der Bonner Klimakonferenz.

Die UNO-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) schätze, dass allein bei den Viehbeständen mit dem Einsatz der bestgeeigneten Massnahmen die Emissionen sofort um 30 Prozent gesenkt werden könnten, hiess es in einer Medienmitteilung der UNO-Klimakonferenz. (sda)

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