Griechischer Kampfpilot getötet

INSELSTREIT ⋅ Fast täglich liefern sich Kampfpiloten der verfeindeten Nato-Partner Türkei und Griechenland Verfolgungsjagden über der Ägäis. Jetzt kam es zu einem Absturz.
13. April 2018, 07:26

Kurz vor der Landung auf dem Militärflugplatz der Ägäisinsel Skyros ist am Donnerstagmittag ein griechisches Kampfflugzeug ins Meer gestürzt. Der Pilot wurde bei dem Unglück getötet.

Über die Ursache des Absturzes gab es zunächst keine ein­deutigen Erkenntnisse. Nach Aussage eines anderen Piloten, der mit seiner Maschine dem verunglückten Flugzeug folgte, prallte der Jet mit hoher Geschwindigkeit aufs Wasser. Sofort wurde eine Suchaktion eingeleitet, an der sich Rettungshubschrauber der Küstenwache und Schiffe der Marine beteiligten. Am Nachmittag meldete der griechische Verteidigungsminister Panos Kammenos über Twitter, der Pilot sei tot geborgen worden.

Am späten Vormittag waren zwei Kampfflugzeuge des Typs Mirage 2000-5 von der Luftwaffenbasis Skyros gestartet. Wie der staatliche griechische Rundfunk berichtete, sollten sie Militärjets der türkischen Streitkräfte abfangen, die ohne Anmeldung in die griechische Flugverkehrs-Kontrollzone (FIR Athen) eingedrungen waren. Nachdem die türkischen Flugzeuge die Region verlassen hatten, bekamen die beiden griechischen Piloten Weisung, zum Stützpunkt nach Skyros zurückzukehren. Dabei stürzte die vorausfliegende Maschine etwa neun Seemeilen (17 Kilometer) nordöstlich der Insel im Tiefflug ins Meer. Der Pilot kam nicht einmal mehr dazu, einen Notruf abzusetzen.

Streit um Grenzen in der Ägäis

Der genaue Hergang des Ein­satzes, der mit dem Absturz der einen Maschine endete, war zunächst unklar. Entgegen der griechischen Darstellung berichteten türkische Medien unter Berufung auf Militärkreise, zum fraglichen Zeitpunkt seien gar keine türkischen Flugzeuge in der Region unterwegs gewesen.

Griechenland und die Türkei streiten seit Jahrzehnten um die Grenzen in der Ägäis. Athen beansprucht im Luftraum eine Hoheitszone von zehn Meilen. Die Türkei erkennt aber nur eine Sechsmeilenzone an, wie sie in der Ägäis zur See gilt. Dadurch kommt es immer wieder zu Reibereien. Die griechischen Streitkräfte meldeten allein in den ersten drei Monaten dieses Jahres über 700 solcher «Luftraumverletzungen». Ein weiterer Streitpunkt ist, dass die türkischen Militärpiloten ihre Flüge nicht bei der zivilen Athener Luftverkehrskontrolle anmelden, die den Luftraum über der Ägäis bis kurz vor der türkischen Küste überwacht. Fliegen türkische Militärmaschinen in die umstrittene Region ein, steigen griechische Kampfjets auf, um die Eindringlinge abzufangen. Diese Verfolgungsjagden sind riskant.

Zwei Grenzsoldaten verhaftet

Militärexperten fürchten seit langem, dass es dabei zu einem Absturz oder gar einem versehentlichen Abschuss kommen könnte. Die Beziehungen zwischen den beiden historisch verfeindeten Nachbarn sind besonders angespannt, seit die Türkei Anfang März zwei griechische Grenzsoldaten festnahm, die bei einer Grenzpatrouille versehentlich auf türkisches Staatsgebiet geraten waren. Die beiden Griechen sitzen schon seit fast sechs Wochen in einem türkischen Hochsicherheitsgefängnis.

Gerd Höhler, Athen


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