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NZZ Online, 18. Juni 2012, 07:36

Streit um Ausgang der Präsidentschaftswahl

Anhänger von Mohammed Mursi feiern auf dem Tahir-Platz in Kairo. Zoom

Anhänger von Mohammed Mursi feiern auf dem Tahir-Platz in Kairo. (Reuters)

In Ägypten hat sich der Kandidat der Muslimbrüder, Mohammed Mursi, zum Sieger der Präsidentschaftswahl erklärt. Gegenkandidat Ahmed Shafik behauptete seinerseits, in Führung zu liegen. Das offizielle Ergebnis soll am Donnerstag bekanntgegeben werden.

(sda/afp) Nach der Präsidentenwahl in Ägypten ist ein heftiger Streit um den Ausgang des Urnengangs entbrannt. Die Muslimbrüder riefen am Montagmorgen ihren Kandidaten Mohammed Mursi zum Sieger aus, was aus dem Lager des Gegenkandidaten Ahmed Shafik vehement bestritten wurde.

«Doktor Mohammed Mursi ist der erste vom Volk gewählte Präsident der Republik», verkündete die Freiheits- und Gerechtigkeitspartei der Muslimbrüder über den Internet-Kurznachrichtendienst Twitter. Auch Mursis Wahlkampfsprecher erklärte, das dieser gewonnen habe.

Gegenkandidat von Mursi war mit Shafik der letzte Regierungschef des gestürzten Machthabers Hosni Mubarak. Sein Wahlkampfmanager Machmud Barakeh wies die Erklärung der Muslimbrüder «komplett zurück». Diese machten sich zu Geiselnehmern der Wahl. Ausserdem zeigten die ihm vorliegenden Zahlen eine Führung von Shafik, betonte Barakeh vor Journalisten.

Ergebnis am Donnerstag

Das offizielle Ergebnis der Stichwahl vom Sonntag soll erst am Donnerstag von der Wahlkommission bekanntgegeben werden. In der ersten Wahlrunde Ende Mai war Mursi mit 24,7 Prozent der Stimmen auf den ersten Platz vor Shafik gekommen, der 23,6 Prozent erhielt.

Die beiden Kandidaten hatten Ägypten polarisiert: Viele fürchteten im Fall eines Siegs des früheren Luftwaffengenerals Shafik eine Rückkehr der alten Führungsriege. Ein Sieg des Islamisten Mursi erschien besonders religiösen Minderheiten und säkularen Kräften jedoch als kaum wünschenswerter, da sie in diesem Fall eine Islamisierung von Staat und Gesellschaft fürchten.

Militär sichert sich Machtbefugnisse

Parallel zu der Stichwahl hat sich das ägyptische Militär am Sonntag umfangreiche Machtbefugnisse gesichert. Einen Tag nach Auflösung des Parlaments übernahm der regierende Oberste Militärrat die Kontrolle über Gesetzgebung und Haushalt, zudem gab er sich ein Vetorecht über den Inhalt einer neuen Verfassung. Neue Parlamentswahlen soll es erst geben, wenn die neue Verfassung ausgearbeitet und per Referendum gebilligt wurde.

Bilderstrecke: Präsidentenwahl in Ägypten

  • Für die Sicherheit der Wahl ist auch das Militär besorgt.
  • Vor den Wahllokalen sind Listen mit den Namen der Stimmberechtigten ausgehängt.
  • Identifiziert werden die Stimmberechtigten auch mittels Fingerabdruck.

Am Wochenende haben die Stimmberechtigten in Ägypten einen neuen Präsidenten gewählt. Beide Kandidaten nehmen bereits jetzt den Sieg in Anspruch, das endgültige Ergebnis ist aber erst für den Donnerstag angekündigt.

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