Neue Luzerner Zeitung Online

57 Tote bei israelischem Beschuss von Gaza

NAHOST ⋅ Israel hat seine Angriffe auf den Gazastreifen ausgeweitet, nachdem dort möglicherweise ein Soldat gefangen genommen worden war. Nach dem Verschwinden des Offiziers wurden beim Bombardement nach Angaben der Rettungskräfte mehr als 100 Palästinenser getötet.

Nach Angaben palästinensischer Rettungskräfte wurden seit dem Verschwinden des Leutnants am Freitagvormittag mindestens 114 Palästinenser getötet und 350 weitere verletzt. Allein am Samstagmorgen seien bei israelischen Luftangriffen in Rafah und Gaza 57 Menschen getötet worden.

Der israelische Soldat wurde nach Angaben der Armee am Freitagvormittag nahe Rafah im südlichen Gazastreifen bei einem Überfall verschleppt, bei dem auch zwei seiner Kameraden starben. Demnach tauchten "Terroristen" aus Verstecken im Boden auf, als die Israelis gerade dabei waren, Tunnel der Hamas zu zerstören. So lautet die israelische Version.

Demgemäss ereignete sich der Vorfall nach Beginn einer zuvor vereinbarten dreitägigen Feuerpause - ganz im Gegensatz zur palästinensischen Darstellung, wonach der Zusammenstoss vor der Feuerpause passierte.

Hamas-Brigaden dementieren Verschleppung

Die Essedin-al-Kassam-Brigaden, der militärische Arm der im Gazastreifen herrschenden Hamas, erklärten in der Nacht zum Samstag, sie hätten "keine Information" zum Schicksal des Soldaten. Die Brigaden bekannten sich zwar zum Angriff auf seine Einheit, äusserten jedoch die Vermutung, dass der vermisste Soldat gemeinsam mit eigenen Kämpfern durch israelischen Beschuss getötet wurde.

Mit dem Verschwinden des Soldaten rückte ein dauerhafter Waffenstillstand wieder in weite Ferne. Israels Justizministerin Zipi Livni warf der Hamas vor, "für die Entführung des Soldaten" verantwortlich zu sein, und erklärte, diese werde einen "hohen Preis" dafür zahlen.

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon und US-Präsident Barack Obama forderten die sofortige und bedingungslose Freilassung des Soldaten.

Palästinenser-Delegation in Kairo

Ungeachtet der abermaligen Verschärfung des Konflikts wurde am Samstag eine palästinensische Delegation zu Gesprächen über eine Waffenruhe in Kairo erwartet. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas versicherte am Freitag, eine Delegation aus Vertretern seiner Fatah-Bewegung, der Hamas und des Islamischen Dschihad werde "auf jeden Fall" nach Kairo reisen.

"Mit der Hamas über einen Waffenstillstand zu reden, hat keinen Sinn", sagte ein hoher israelischer Regierungsbeamter am Samstag der Zeitung "Haaretz". Vorerst werde auch keine israelische Delegation nach Kairo reisen, um an Gesprächen über eine Feuerpause teilzunehmen. Möglicherweise beendet Israel nach den Worten des Regierungsmitarbeiters den Militäreinsatz sogar, ohne überhaupt eine Waffenruhe zu vereinbaren.

Der ägyptische Präsident Abdel Fattah al-Sisi nannte den Plan seiner Regierung für eine Waffenruhe eine "echte Chance" zur Beendigung des blutigen Konflikts. Der Staatschef drängte auf eine rasche Umsetzung der Vorschläge. Die Hamas fordert als Bedingung die Aufhebung der jahrelangen Blockade des Gazastreifens.

Seit Beginn der israelischen Militäroffensive vor mehr als drei Wochen starben nach palästinensischen Angaben 1654 Palästinenser, mehr als 8900 wurden verletzt, die meisten von ihnen Zivilisten. Auf israelischer Seite wurden 63 Soldaten und drei Zivilisten getötet. Die Wasser- und Stromversorgung im Gazastreifen liegt am Boden, die Bewohner ganzer Ortschaften sind in dem von 1,8 Millionen Menschen bewohnten, abgeriegelten Küstenstreifen auf der Flucht.

USA finanzieren Israels Raketenabwehr

Der US-Kongress stimmte unterdessen für weitere finanzielle Unterstützung der israelischen Raketenabwehr. Das Repräsentantenhaus in Washington beschloss am späten Freitagabend praktisch geschlossen, für die Ausstattung des Systems Iron Dome (Eiserne Kuppel) 225 Millionen Dollar zur Verfügung zu stellen. Mit dem Geld soll das Abwehrsystem mit neuen Raketen ausgestattet werden. (sda/afp)

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