Umstrittene Anklagen wegen Völkermord

KAMBODSCHA ⋅ Vor dem Völkermordtribunal in Kambodscha hat ein amerikanischer Untersuchungsrichter überraschend neue Anklagen wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit erhoben. Der kambodschanische Ankläger scherte allerdings aus.

Der Untersuchungsrichter warf Ex-Marinekommandant Meas Muth und Im Chaem, die für brutale Säuberungen verantwortlich gemacht wird, am Dienstag unter anderem Mord, politische Verfolgung Anderer und inhumane Akte vor. Es geht um Verbrechen während der Terrorherrschaft der Roten Khmer, die zwischen 1975 und 1979 einen Bauernstaat errichten wollten. Mehr als 1,7 Millionen Menschen kamen um.

An dem Hybridgericht unter UNO- und kambodschanischem Recht treten Ankläger und Untersuchungsrichter normalerweise im Duo auf: je ein internationaler und ein kambodschanischer Vertreter. Der kambodschanische Untersuchungsrichter trug diese Anklage aber nicht mit.

Die kambodschanische Regierung verlangt seit langem, dass das Gericht keine weiteren Anklagen erhebt. Regierungschef Hun Sen war selbst Roter Khmer, wandte sich aber vor dem Einmarsch der Vietnamesen 1979 von dem Regime ab.

Drei einstige Drahtzieher sind bereits zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Zwei von ihnen stehen wegen weiterer Verbrechen weiter vor dem Gericht. Ein Angeklagter starb, gegen dessen Frau wurde der Prozess wegen Demenz ausgesetzt. (sda/dpa)


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