Auch Fitto kehrt Berlusconi den Rücken

ITALIEN ⋅ Die politische Talfahrt von Italiens Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi nimmt kein Ende: Auch der EU-Abgeordnete und Ex-Regionenminister Raffaele Fitto, lange Zeit ein Vertrauensmann Berlusconis, verlässt die konservative Oppositionspartei Forza Italia.

Der 46-Jährige galt seit langem als scharfer Kritiker des Parteigründers. Immer wieder hatte Fitto zuletzt Berlusconi aufgerufen, das Ruder der Partei abzugeben und einen Generationswechsel zu ermöglichen.

Nach einem Streit um Kandidaturen für die Regionalwahlen Ende Mai zog Fitto den Schlussstrich. "Forza Italia ist für mich ein abgeschlossenes Kapitel. Die Voraussetzungen für meinen Verbleib in der Partei sind nicht mehr vorhanden", sagte Fitto.

Die Trennung von dem EU-Parlamentarier ist ein weiterer harter Schlag für Berlusconi, dessen Partei mit einer Krise ohnegleichen konfrontiert ist.

Streit um Berlusconi-Nachfolge

Erst im April hatte Ex-Kulturminister Sandro Bondi, langjähriger Vertrauter Berlusconis, die Gruppierung verlassen. Mit dem Austritt aus der Forza Italia protestierte Bondi gegen "Fehden", die die Forza Italia stark geschwächt hätten.

In der Oppositionspartei ist ein unerbittlicher Streit um Berlusconis politisches Erbe im Gange. Unter Kritik ist unter anderem Berlusconis neue Vertraute Maria Rosaria Rossi geraten, die laut ihren Kritikern die Führungslinie der Partei bestimmt und jegliche demokratische Debatte ausgeschaltet hat.

Krise ohnegleichen

"Die Forza Italia erlebt eine Krise ohnegleichen. Die Partei hat ihre Orientierung vollkommen verloren", analysieren politische Beobachter in Rom. Die Forza Italia hatte nach den zahlreichen Justizproblemen Berlusconis schon im vergangenen Jahr bei den EU-Parlamentswahlen ein Rekordtief von 16 Prozent der Stimmen hinnehmen müssen.

Bei Gemeindewahlen im Trentino, im Südtirol und im Aostatal vergangene Woche sank die Gruppierung unter die Schwelle von fünf Prozent in fast allen am Wahlgang beteiligten Gemeinden. In Bozen brachte es die Forza Italia auf 3,7 Prozent, in Trient auf 4,3 Prozent.

In der Stadt Aosta hatte sich die Partei nicht einmal am Wahlkampf beteiligt. Auch in anderen am Urnengang beteiligten Gemeinden fiel das Wahlergebnis nicht besser aus.

In dieser schwierigen Situation führt Berlusconi einen Wahlkampf für die Regionalwahlen am 31. Mai, zu den 17 Millionen Italiener in sieben Regionen aufgerufen sind. Dieser Urnengang gilt als ein entscheidender Test für Berlusconi. Sollte seine Partei unter die Acht-Prozent-Schwelle fallen, droht der Forza Italia die komplette Auflösung, warnen politische Beobachter in Rom. (sda/apa)


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