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Dramatische Rettung von Flüchtling in Ägäis

FLÜCHTLINGE ⋅ Die türkische Küstenwache hat Bilder von der spektakulären Rettung eines syrischen Flüchtlings verbreitet. Zu sehen ist, wie der 20-Jährige kurz vor dem Sinken seines Boots geborgen wird. Ein Helikopter der Küstenwache entdeckte ihn und zog ihn aus dem Wasser.

Pelen Huseyin war am Montag von der Region Ermit an der türkischen Westküste zur griechischen Insel Lesbos unterwegs gewesen, als sein mit mehr als 30 Flüchtlingen besetztes, zehn Meter langes Boot kenterte. Die Bilder zeigen, wie sich der Mann stundenlang an dem Boot festklammert, das nach und nach senkrecht im Meer versinkt.

Ein Mitglied der Küstenwache seilte sich vom Helikopter ab, rief Huseyin auf Englisch zu, er solle ins Wasser springen, dann werden beide zusammen hochgezogen. Der Helikopter brachte den zitternden Syrer zurück aufs türkische Festland zu einem wartenden Krankenwagen.

Ein Offizier der Küstenwache sagte türkischen Medien, der Syrer sei "am Rande der Unterkühlung und in einem Schockstadium" gewesen. Nachdem er ein wenig zu sich gekommen sei, sei er in Tränen ausgebrochen. Insgesamt konnten sechs Passagiere an Bord des zehn Meter langen Boots in Sicherheit gebracht werden. 27 Menschen ertranken, darunter 11 Kinder.

Huseyin sagte später der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu, er habe nicht damit gerechnet, dass er überleben werde. "Ich habe von drei Uhr morgens bis mittags gewartet", fügte er hinzu. "Mein Freund starb. Wir wollten nach Deutschland. Die anderen, die gestorben sind, kannte ich nicht." Jetzt denke er, nach Syrien zurückzukehren.

Der Flüchtlingszustrom aus der Türkei dauert unvermindert an. Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) haben seit Jahresbeginn und bis zum 9. Februar 70'365 Flüchtlinge aus der Türkei nach Griechenland übergesetzt.

In den ersten zwei Monaten des Vorjahres waren nach Angaben des UNO-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) 4567 Flüchtlinge auf der gleichen Route nach Griechenland und damit in die EU gekommen. Im Mittelmeer sind nach IOM-Angaben 409 Flüchtlinge im Mittelmeer ums Leben gekommen. (sda/dpa)

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