Neue Luzerner Zeitung Online

Eklat statt Versöhnung in Belgrad

SERBIEN - ALBANIEN ⋅ Im Konflikt um Kosovo ist trotz eines Spitzentreffens in Belgrad keine Annäherung zwischen Albanien und Serbien in Sicht. Der albanische Regierungschef Edi Rama sorgte am Montag mit seiner Äusserung, Kosovo bleibe "unwiderruflich unabhängig", für einen Eklat.

Erstmals seit fast sieben Jahrzehnten hat am Montag, 10. November wieder ein albanischer Ministerpräsident Serbien besucht. Edi Rama wollte in Belgrad mit seinem serbischen Amtskollegen Aleksandar Vucic über eine Annäherung beider Staaten sprechen.

Beim ersten Besuch eines albanischen Ministerpräsidenten in Belgrad seit 68 Jahren beharrten beide Seiten auf ihren Positionen. Rama erinnerte daran, dass die Unabhängigkeit des mehrheitlich von ethnischen Albanern bewohnten Kosovos von 108 Staaten weltweit anerkannt werde.

"Dies ist eine unumkehrbare Realität und diese Realität muss respektiert werden", sagte Rama. Und: Je eher die Loslösung des Kosovo akzeptiert werde, "desto schneller können wir Fortschritte erzielen".

Ramas sichtlich verärgerter serbischer Amtskollege Aleksandar Vucic erwiderte vor den Medien in Belgrad, Kosovo sei weiterhin ein Teil Serbiens.

Vucic spricht von "Provokation"

Das Verhältnis zwischen Albanien und Serbien gilt seit dem Krieg 1999 um Kosovo und dessen Unabhängigkeitserklärung 2008 als besonders angespannt. Zuvor war das überwiegend von ethnischen Albanern bewohnte Gebiet eine jugoslawische und später eine serbische Provinz.

Vucic sprach mit Blick auf Ramas Äusserungen von einer "Provokation". Es sei nicht vereinbart worden, dass dieses Thema beim Besuch Ramas erörtert werde. "Aber es ist meine Pflicht, jeden davon abzuhalten, Serbien zu demütigen." Gleichwohl würden die Gespräche mit Albanien fortgesetzt, fügte der serbische Ministerpräsident hinzu.

Vor seinem zweitägigen Besuch in Serbien hatte Rama Hoffnungen auf eine Annäherung geweckt. So hatte er gesagt, nötig sei ein neuer Ansatz "für eine bessere Zukunft unserer Völker. Es ist Zeit, all das hinter uns zu lassen, was (...) Konflikte und Blutvergiessen verursacht hat."

Skandal beim Fussballspiel in Belgrad

Das schon mehrmals geplante Treffen beider Regierungschefs war zuletzt wegen des Skandals um das Qualifikationsspiel zur Fussball-EM 2016 zwischen beiden Ländern in Belgrad vor wenigen Wochen verschoben worden.

Damals war eine Drohne mit einer Landkarte von Grossalbanien ins Stadion geschwebt. Daran hatten sich Prügeleien zwischen den Spielern sowie zwischen Zuschauern und albanischen Fussballern entzündet. Das Spiel wurde abgebrochen.

Nach den politischen Gesprächen in Belgrad am Montag wollte Rama am Dienstag in den Süden Serbiens weiterreisen, um Vertreter der dort lebenden albanischen Minderheit zu treffen.

Im April 2013 hatten Belgrad und Pristina unter Vermittlung der Europäischen Union ein Abkommen zur Normalisierung der serbisch-albanischen Beziehungen geschlossen. Serbien, Kosovo und Albanien wollen der EU beitreten. (sda/dpa)

Anzeige:

Anzeige:

Webcam

Luzern Luzern

Newsletter zur Region? Hier bestellen

Newsletter

Anzeige:

zugerpresse.ch Jeden Mittwoch Neu

Zugerpresse