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Festnahmen wegen Polio-Impfverweigerung

PAKISTAN ⋅ Nach der Zunahme von Polio-Erkrankungen in Pakistan gehen die Behörden im Grenzgebiet zu Afghanistan mit drastischen Massnahmen gegen Impfverweigerer vor. In der nordwestpakistanischen Stadt Peshawar und drei umliegenden Distrikten seien 500 Männer festgenommen worden.

Diese hätten die Kinder in ihren Familien nicht impfen lassen, sagte der örtliche Verwaltungschef Riaz Mehsud am Montag. In Pakistan waren 2014 mehr als 300 Fälle von Kinderlähmung registriert worden, ein Plus von 93 Prozent gegenüber dem Vorjahr, wie der örtliche Verwaltungschef Riaz Mehsud am Montag sagte.

Mehr als 90 Prozent der Fälle stammen aus dem Grenzgebiet zu Afghanistan, wo radikalislamische Gruppen wie die Taliban Impfungen verhindern und immer wieder Impfteams angreifen. Die Extremisten verdächtigen die Helfer unter anderem der Spionage für die USA und verbreiten ausserdem das Gerücht, dass der Westen Muslime mit Polio-Impfungen unfruchtbar machen möchte.

Verschärft wurde das Misstrauen auch durch eine vom US-Geheimdienst initiierte Impfkampagne gegen Hepatitis im März 2011 in Abbottabad. Der Einsatz in der nordpakistanischen Garnisonsstadt sollte dazu dienen, DNA-Proben von der Familie des Al-Kaida-Chefs Osama bin Laden zu bekommen, der dort vermutet wurde. Die Proben bestätigten den Verdacht, am 2. Mai 2011 tötete ein US-Sonderkommando bin Laden.

Gesundheitsministerin Saira Afzal Tarar kündigte am Sonntagabend an, Impfverweigerung werde nicht mehr toleriert. Die Regierung in Islamabad steht unter Druck, seit die Weltgesundheitsorganisation (WHO) im vergangenen Jahr eine Impfpflicht für alle Pakistaner erlassen hat, die ins Ausland reisen. (sda/dpa/afp)

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