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Gewalt überschattet Wahltag in Nigeria

NIGERIA ⋅ Überschattet von islamistischer Gewalt und technischen Pannen haben in Nigeria am Samstag Präsidentschafts- und Parlamentswahlen stattgefunden. Ein Überfall von Boko Haram forderte 15 Tote.

Knapp 70 Millionen Menschen hatten sich in die Wahllisten eingetragen. Unter den 14 Bewerbern um das Präsidentenamt war erstmals eine Frau. Ernsthafte Chancen wurden nur dem christlichen Amtsinhaber Goodluck Jonathan aus dem Süden und dem Muslim Muhammadu Buhari, einem ehemaligen Putsch-General aus dem Norden, eingeräumt.

Zwischen den beiden Politikern wurde ein knappes Rennen erwartet. Buhari hatte in den Jahren 1983 bis 1985 schon einmal an der Staatsspitze gestanden. Zuverlässige Ergebnisse wurden nicht vor Montag erwartet.

Um die Präsidentenwahl zu gewinnen, muss ein Kandidat neben einer absoluten Stimmenmehrheit auch mindestens 25 Prozent der Stimmen in zwei Dritteln der 36 Bundesstaaten des Landes gewinnen. Sollte keiner die nötige Mehrheit erreichen, wäre in zwei Wochen eine Stichwahl fällig.

Am Samstag wurde auch ein neues Parlament gewählt. Insgesamt bewarben sich 2537 Kandidaten von 28 Parteien für die 469 Parlamentssitze. Jonathans Partei PDP ist seit der Rückkehr zu einer zivilen Regierung vor sechs Jahren an der Macht, muss sich aber einer erstarkten Opposition stellen.

Verzögerung des Urnengangs

In einer nicht näher angegebenen Zahl von Wahlbezirken wurde der Urnengang wegen technischer Probleme unterbrochen. In den betroffenen Gegenden solle die Wahl am Sonntag erfolgen, teilte die Wahlkommission mit. Demnach gab es Schwierigkeiten mit den Kartenlesegeräten zur Registrierung der Wähler. Auch der amtierende Staatschef brauchte mehrere Anläufe für die Registrierung.

Nigeria ist mit 173 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste Land Afrikas. Der Urnengang war wegen des Vormarschs der Terrormiliz Boko Haram im Norden des Landes um sechs Wochen verschoben worden. In den Wochen vor der Wahl meldete die nigerianische Armee Erfolge im Kampf gegen die islamischen Fanatiker.

Boko-Haram-Gewalt gegen den Urnengang

Dennoch gab es am Samstag neue Gewalt: Bei einem Boko-Haram-Anschlag im Nordosten des Landes wurden 23 Menschen getötet. Mehrere der Opfer seien enthauptet worden, andere bei dem Überfall auf das Dorf Barutai im Bundesstaat Borno in ihren Häusern verbrannt, sagte der örtliche Beamte Malam Ibrahim Adamu der Nachrichtenagentur dpa. Offiziell wurde der Überfall nicht bestätigt.

Zwei weitere Angriffe ereigneten sich laut Bewohnern und einem Wahlhelfer in den Dörfern Birin Bolawa und Birin Fulani im nordöstlichen Bundesstaat Gombe. Dem Wahlhelfer zufolge riefen die Angreifer: "Wir haben euch davor gewarnt, zur Wahl zu gehen!"

Bei weiteren Überfällen wurden fünf Menschen getötet. Boko-Haram-Chef Abubakar Shekau hatte mit Anschlägen auf Wahlbüros gedroht. Die Fanatiker von Boko Haram halten demokratische Wahlen für "unislamisch".

Boko Haram kämpft mit Gewalt für einen islamischen Staat im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias. Seit 2009 tötete die Gruppe bei Angriffen auf Polizei, Armee, Kirchen und Schulen mehr als 13'000 Menschen. Mehr als 1,5 Millionen Menschen sind auf der Flucht.

Das nigerianische Militär wird im Kampf gegen Boko Haram mittlerweile von Truppen aus den Nachbarländern Kamerun, Niger und Tschad unterstützt. (sda/afp/dpa)

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