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IS-Miliz zerstört Kulturstätte Al-Hadra

IS-VORMARSCH ⋅ Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) setzt ihre Zerstörung altorientalischer Kulturstätten im Irak fort. Am Samstag haben die Dschihadisten nach Angaben der Universität von Mossul Ruinen in der Jahrtausende alten Stadt Al-Hadra gesprengt.

"Das stellt einen Verlust dar, der nicht aufgewogen werden kann", sagte Hamid al-Dschuburi, Leiter der Abteilung für Altertümer der Universtität, der Nachrichtenagentur dpa. Die UNESCO hat Al-Hadra als Weltkulturerbe eingestuft.

Al-Hadra liegt rund 110 Kilometer südlich der IS-Hochburg Mossul in der irakischen Provinz Ninive. Die Stadt beherbergt gut erhaltene assyrische Ruinen, die bis ins dritte Jahrhundert vor Christus zurück datieren. In ihrem historischen Wert ist Al-Hadra mit den Ruinenstädten des syrischen Palmyra und des libanesischen Baalbek vergleichbar.

Die IS-Kämpfer hatten Ende vergangene Woche bereits die einstige assyrische Hauptstadt Nimrud knapp 40 Kilometer südlich von Mossul angegriffen. Nach Angaben des irakischen Altertum-Ministeriums hatten die Extremisten die Stadt am Donnerstag überrannt und damit begonnen, die antike Stätte mit schwerem Gerät zu zerstören. In Videos zeigten die Dschihadisten zudem die Zerstörung wertvoller Statuen.

IS in Al-Bagdadi in die Flucht geschlagen

Die irakische Armee vertrieb derweil IS-Anhänger aus der umkämpften Stadt Al-Bagdadi. Unterstützt worden seien die Streitkräfte dabei von Stammeskämpfern aus der westlichen Region Anbar, teilte das US-Militär am Freitag mit.

Zudem habe die internationale Allianz begleitend Luftangriffe auf IS-Stellungen in und um Al-Bagdadi geflogen. Den Kämpfern am Boden sei es dabei gelungen, die Polizeistation und drei Brücken über den Euphrat zurückzuerobern. Die Brücken seien seit September unter Kontrolle des IS gewesen.

Darüber hinaus gelang es der irakischen Armee demnach mit Unterstützung der internationalen Koalition, IS-Kämpfer aus sieben Dörfern im Nordwesten der Stadt in Richtung der Stadt Haditha zu drängen. IS-Extremisten hatten sich in der Gegend seit längerem heftige Gefechte mit Truppen der Regierung geliefert.

Al-Bagdadi liegt rund 120 Kilometer westlich von Bagdad. In der Nähe trainieren US-Ausbilder irakische Soldaten auf dem Militärflugplatz Ain al-Assad.

30'000 Mann mobilisiert

Das irakische Staatsfernsehen hatte zuvor unter Berufung auf die Armee berichtet, das Militär habe bei ihrer Offensive im Norden Bagdads den strategisch wichtigen Ort Al-Dur eingenommen, unterstützt von Kämpfern schiitischer Milizen. Eine unabhängige Bestätigung hierfür gab es zunächst nicht.

Die Einnahme von Al-Dur gilt als eines der ersten Ziele der seit knapp einer Woche andauernden Offensive, mit der die irakischen Streitkräfte das rund 170 Kilometer nördlich von Bagdad gelegene Tikrit befreien wollen. Der Ort ist Heimatstadt von Issat Ibrahhim al-Duri, einem früheren Getreuen von Langzeitherrscher Saddam Hussein und heutigen Anführer sunnitischer Rebellen, die mit dem IS verbündet sind.

Die irakische Regierung hat für ihre Offensive nach eigenen Angaben rund 30'000 Mann mobilisiert, neben der Armee vor allem Kämpfer schiitischer Milizen. Der Vormarsch war in den vergangenen Tagen nur langsam vorangekommen. Der IS versucht, die Offensive vor allem mit Selbstmordattentätern und Hunderten von Sprengfallen aufzuhalten. (sda/dpa)

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