Irakische Armee startet Feldzug gegen IS

IS-VORMARSCH ⋅ Im Kampf gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) rücken irakische Kräfte auf die strategisch wichtige Stadt Tikrit vor. Die Armee und schiitische Milizen griffen aus mehreren Richtungen an, um sie aus der Gewalt der sunnitischen Extremisten zu befreien.

Nach Armeeangaben beteiligen sich 30'000 Mann an der Offensive. "Wir attackieren sie mit Kampfjets, Helikoptern und Artillerie, um weiter vorzurücken und die Nachschubwege (für die IS-Kämpfer) abzuschneiden", sagte ein ranghoher Armeevertreter. An dem Grossangriff auf Tikrit beteiligten sich Soldaten, Polizisten, Antiterroreinheiten und freiwillige Kämpfer. Unterstützt wurden sie von sunnitischen Stammesmilizen, die mit ihren radikalen Glaubensbrüdern verfeindet sind.

Irakische Medien meldeten am Montag erste Erfolge. So seien die Streitkräfte in den Ort Al-Dur südlich von Tikrit vorgerückt. Eine unabhängige Bestätigung dafür gab es nicht. Erfolgsmeldungen der irakischen Armee haben sich in der Vergangenheit häufig als falsch herausgestellt. Der IS verbreitete im Internet Bilder, die belegen sollten, dass er Al-Dur weiter kontrolliert.

Die Offensive in Tikrit gilt auch als Test, ob die irakischen Streitkräfte in der Lage sind, die Dschihadisten aus einer grossen Stadt zu vertreiben. Die Stadt liegt rund 170 Kilometer nördlich von Bagdad an einer wichtigen Verbindungsstrasse zwischen der Hauptstadt und der nordirakischen IS-Hochburg Mossul, die die irakischen Streitkräfte in diesem Jahr ebenfalls angreifen wollen.

Bevölkerung flieht

Zudem hat Tikrit als früherer Heimatort des Diktators Saddam Hussein und als Hochburg sunnitischer Regierungsgegner grosse symbolische Bedeutung. Seit der Eroberung durch den IS waren mehrere Versuche der Armee gescheitert, die Stadt wieder unter ihre Kontrolle zu bringen.

Die IS-Kämpfer hatten Tikrit vor rund neun Monaten kurz nach der Einnahme Mossuls mit Hilfe sunnitischer Verbündeter erobert. Mittlerweile beherrscht die Organisation im Norden und Westen des Iraks, aber auch in Syrien grosse Gebiete, in denen sie ein "Islamisches Kalifat" ausgerufen und eine Terrorherrschaft errichtet hat.

Ein Korrespondent des Nachrichtensenders Al-Arabija berichtete, es gebe Befürchtungen, schiitische Kämpfer könnten sich an Sunniten in Tikrit rächen. Die allermeisten der rund 190'000 Einwohner sollen aus der Stadt geflohen sein.

Der UNO-Sondergesandte für den Irak, Nickolay Mladenov, rief alle bewaffneten Kräfte in Tikrit auf, alles zu tun, um die Zivilisten zu beschützen. Iraks Regierungschef Haidar al-Abadi hatte am Sonntag gesagt, der Schutz der Einwohner habe Priorität.

19 Christen nach Lösegeldzahlung frei

Im Nordosten Syriens wurden die Dschihadisten am Montag von Regierungstruppen und kurdischen Einheiten angegriffen. Die syrische Armee und arabische Stammesmilizen vertrieben den IS aus 23 Dörfern im Zentrum der Provinz Hassaka, wie die Syrische Beobachtungsstelle mitteilte. Weiter südwestlich hätten derweil kurdische Kämpfer Stellungen des IS angegriffen.

Der IS hatte in der Region in der vergangenen Woche mehrere Dörfer überfallen und 220 assyrische Christen entführt. 19 von ihnen wurden nach der Zahlung von Lösegeld am Sonntag freigelassen, wie das assyrische Netzwerk für Menschenrechte mitteilte. Über die Höhe der Zahlungen konnte der Direktor der Organisation keine Angaben machen.

Seinen Äusserungen zufolge waren bei der Freilassung assyrischer Christen im November 1700 Dollar (gut 1600 Franken) pro Geisel geflossen. (sda/afp/dpa)


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