Neue Luzerner Zeitung Online

Japan gedenkt der Opfer der Tsunami-Katastrophe

FUKUSHIMA ⋅ Fünf Jahre nach der Tsunami- und Atomkatastrophe von Fukushima kommt der Wiederaufbau nur schleppend voran. Am Gedenktag appellierte Kaiser Akihito an sein Volk, das Leid der Überlebenden nicht zu vergessen.

Mit einer Schweigeminute gedachte Japan am Freitag der rund 18'500 Erdbeben- und Tsunami-Toten. Kaiser Akihito und Regierungschef Shinzo Abe nahmen an einer Zeremonie in Tokio teil und beugten um 14.46 Uhr Ortszeit ihre Köpfe. Zu diesem Zeitpunkt war am 11. März vor fünf Jahren die ostjapanische Region Tohoku von einem schweren Erdbeben erschüttert worden.

«Ich fühle Schmerz in meinem Herzen, wenn ich an diejenigen denke, die noch nicht heimkehren konnten», sagte Kaiser Akihito beim Gedenken im Nationaltheater Tokios. Damit bezog er sich auf jene zehntausende Menschen, die wegen der Katastrophe noch heute in provisorischen Unterkünften lebten. Der Kaiser zeigte sich des weiteren besonders «besorgt, dass viele Menschen an Orten, die unserer Beachtung entgehen, noch immer leiden, ohne dass wir das wissen».

Heute ist es fünf Jahre her seit der Katastrophe an Japans Küste. Impressionen des Unglücks und wie die Region heute aussieht.

An einer Gedenkveranstaltung in einem Park in Tokio sagte Kazuko Nihei, die mit ihren Töchtern vor den Strahlen geflohen war: «Ich hoffe, die Gesellschaft wird sich an uns erinnern: dass das Leben der Umgesiedelten noch sehr schwierig ist, auch finanziell.»

Im Atomkraftwerk Fukushima an der Ostküste Japans war es nach dem Beben und dem folgenden Tsunami zum Ausfall der Kühlsysteme gekommen, woraufhin mehrere Reaktorkerne schmolzen. Es war die schwerste Atomkatastrophe seit Tschernobyl 1986 mit weltweiten Konsequenzen.

Sie führte international zu einem noch kritischeren Umgang mit der Atomenergie, bis hin zu einer etappenweise Abkehr, wie sie Bundeskanzlerin Angela Merkel für Deutschland mit der Energiewende einleitete.

Krebs und Atommüll

Der japanischen Bevölkerung drohen durch die Atomkatastrophe nach Einschätzung von Nichtregierungsorganisationen in Zukunft rund 10'000 neue Krebsfälle. Wie die Anti-Atom-Ärzte-Organisation PSR/IPPNW kürzlich in einem Bericht erklärte, werden die Folgen das Land «noch jahrelang plagen». Dies dürfe von den Anhängern der Atomenergie «nicht unter den Teppich gekehrt werden».

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace erklärte, weite Teile der Region Fukushima blieben trotz aller staatlichen Dekontaminierungsversuche verstrahlt. Dennoch plane die Regierung die Rücksiedlung der Bewohner, die sie so einem erhöhten Strahlenrisiko aussetzen werde.

Ungewiss sei überdies, wo die neun Millionen Kubikmeter Atommüll, die bei den Aufräumarbeiten angefallen seien, gelagert würden. Der radioaktive Müll staple sich «an mehr als 50'000 Standorten», erklärte die Organisation.

Tausende von Arbeitern in der Atomruine Fukushima kämpfen weiter tagtäglich mit grossen Herausforderungen, darunter den gigantischen Massen an verstrahltem Wasser. Rund 800'000 Tonnen lagern bereits in riesigen Tanks, täglich werden es mehr. Bis die Anlage stillgelegt werden kann, werden noch mehrere Jahrzehnte vergehen.

Wind- und Wasserkraft

Dessen ungeachtet will Ministerpräsident Abe gegen den Willen der Bevölkerungsmehrheit an der Atomenergie festhalten. «Unser ressourcenarmes Land kann nicht ohne Atomkraft auskommen, um die Stabilität der Energieversorgung sicherzustellen», hatte er am Donnerstag bekräftigt.

Auch das «ökonomisch Sinnvolle» sowie die Frage des Klimawandels müssten beachtet werden. Greenpeace hielt dem entgegen, Japan sei «aufgrund seiner geographischen Bedingungen besonders gut für Wind- und Wasserkraft geeignet».

Nach der Katastrophe waren zunächst sämtliche Reaktoren in Japan abgeschaltet worden, um sie verschärften Sicherheitsvorgaben anzupassen. Die Betreiberfirmen und Abe dringen seit langem darauf, die Reaktoren wieder hochzufahren.

(sda/dpa)

Anzeige:

Anzeige:

Webcam

Luzern Luzern

Newsletter zur Region? Hier bestellen

Newsletter

Anzeige:

zugerpresse.ch Jeden Mittwoch Neu

Zugerpresse