Kampfjets greifen wieder Aleppo an

SYRIEN ⋅ Kampfjets haben nach Angaben aus der syrischen Opposition erstmals seit Beginn der Waffenruhe vor knapp einer Woche wieder die Grossstadt Aleppo angegriffen. Mehrere Stadtbezirke seien getroffen worden, offenbar habe es Verletzte gegeben.

Aktualisiert: 
18.09.2016, 17:44

Die Sprecherin des russischen Aussenministeriums, Maria Sacharowa, sagte im Fernsehsender Rossia-24, Russlands UNO-Botschafter sei mit der Einberufung einer Dringlichkeitssitzung beauftragt worden. "Wir verlangen Washingtons volle und detaillierte Erklärung, und das muss vor dem UNO-Sicherheitsrat geschehen", sagte sie.

Russland sei "sehr besorgt" über die Angriffe, "die direkt die syrische Armee trafen", sagte die Sacharowa. "Diese Luftangriffe gefährden alles, was bislang von der internationalen Gemeinschaft getan wurde", um Frieden in Syrien zu erreichen, fügte sie hinzu.

Laut syrischen Staatsmedien und den russischen Streitkräften griffen Kampfflugzeuge der US-geführten Koalition am Samstag syrische Stellungen an. Das US-Militär sprach von einem Versehen.

Russische Seite informiert

Demnach drangen zwei F-16- und zwei A-10-Kampfflugzeuge vom Irak aus in den syrischen Luftraum ein. Die Jets hätten vier Angriffe gegen die von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) umzingelten Stellungen der Regierungstruppen geflogen. Das syrische Staatsfernsehen berichtete unter Berufung auf die Armee, die Angriffe seien am Abend (Ortszeit) nahe dem Flughafen von Deir as-Saur im Osten des Landes erfolgt. Die russischen Streitkräfte sprachen von 62 getöteten und rund hundert verletzten syrischen Soldaten.

Das Pentagon räumte ein, dass die Koalition möglicherweise syrische Regierungstruppen attackiert habe. Die Koalitionstruppen seien davon ausgegangen, dass sie IS-Kampfstellungen attackiert hätten. Die Koalition haben die Luftangriffe "sofort eingestellt", als sie von russischer Seite darüber informiert worden sei, dass sie möglicherweise auf syrisches Militär ziele.

Das Angriffsziel habe in einem Gebiet gelegen, in dem die Koalition bereits früher Luftangriffe geflogen habe und die russische Seite sei zuvor über den bevorstehenden Angriff informiert worden, erklärte das Pentagon weiter. Der Vorfall werde überprüft.

Streit zwischen Moskau und Washington

Am Freitag war eine geplante Sicherheitsratssitzung zu Syrien auf Bitten der USA und Russlands abgesagt worden, weil sich Washington und Moskau nicht über die Formalitäten einigen konnten. In der Sitzung sollte es um die zwischen Russland und den USA vereinbarte Waffenruhe gehen. Die USA wollten in der Sitzung keine Details der Vereinbarung bekannt geben, während Russland verlangte, dass die anderen Staaten über Einzelheiten informiert werden müssten.

US-Aussenminister John Kerry und sein russischer Kollege Sergej Lawrow hatten sich am Freitag vergangener Woche auf eine zunächst 48-stündige Waffenruhe in Syrien geeinigt. Am Mittwoch wurde sie für zwei Tage verlängert. Am Freitag bot Russland eine erneute Verlängerung um 72 Stunden an - eine solche wurde offiziell aber nicht verkündet. Die Waffenruhe gilt nicht für Gebiete, in denen Dschihadisten aktiv sind. (sda/afp)


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