Kurze Waffenruhe für Evakuation in Debalzewo

UKRAINE ⋅ Die Konfliktparteien in der Ukraine haben sich auf einen kurzzeitigen Waffenstillstand rund um die umkämpfte Stadt Debalzewo geeinigt. Während der Feuerpause am Freitag sollen Zivilisten aus der Gegend in Sicherheit gebracht werden.

Dies sagte der Polizeichef der Region Donezk der Nachrichtenagentur AFP. Die prorussischen Rebellen vermeldeten über ihre Nachrichtenagentur, die Feuerpause solle von 9.00 bis 16.00 Uhr MEZ gelten. Um die Zivilisten in Sicherheit zu bringen, stünden 20 Busse bereit.

Reporter der Nachrichtenagentur Reuters berichteten, Separatisten und Beobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) begleiteten rund 30 leere Busse, die sich von Westen aus nach Debalzewo auf den Weg machten. Die ersten Fahrzeuge hätten die Gegend bereits verlassen, meldete die Agentur Interfax.

Ein Sprecher des Innenministeriums in Kiew bestätigte die Einrichtung des Korridors. Nach Angaben des Zivilschutzes wurden bereits am Donnerstag fast 400 Menschen aus Kampfzonen in den Gebieten Donezk und Lugansk fortgebracht.

Der strategisch wichtige Bahnknotenpunkt Debalzewo zwischen den Separatistenhochburgen Donezk und Lugansk ist seit über einer Woche heftig umkämpft. Bislang wird die Stadt von der ukrainischen Armee kontrolliert. Die Rebellen versuchen, die ukrainischen Truppen dort einzuschliessen.

Die Konfliktparteien berichteten am Freitag von gegenseitigem Beschuss. Ein Soldat wurde dabei getötet, wie die Armeeführung mitteilte. In Donezk kamen bei Beschuss nach Darstellung der Aufständischen zwei Zivilisten ums Leben.

Merkel und Hollande bei Putin

Die Evakuierung von Debalzewo begann wenige Stunden vor einem Besuch von Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident François Hollande in Moskau.

Sie wollen in einem Gespräch mit Präsident Wladimir Putin sondieren, ob ein neuer Friedensprozess angestossen werden kann. Am Donnerstag waren sie bereits überraschend zu einer Unterredung mit dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko nach Kiew gereist.

Der Ukraine-Konflikt hat mehr als 5000 Menschen das Leben gekostet und die schwerste Krise zwischen Russland und dem Westen seit dem Ende des Kalten Krieges ausgelöst. (sda/dpa/afp/reu)


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