Neues Video entstand kurz vor Todesschüssen

USA ⋅ Der von einem weissen US-Polizisten getötete Afroamerikaner war vor den tödlichen Schüssen in der Stadt North Charleston während einer Verkehrskontrolle geflüchtet. Dies zeigt ein am Donnerstag von der Polizei im Bundesstaat South Carolina veröffentlichtes Video.

Zum Fall der neuerlichen Polizeigewalt in den USA hat die Polizei ein neues Video veröffentlicht: Die Dashcam des Streifenwagens hielt fest, wie aus der Routinekontrolle ein tödlicher Vorfall wurde, bei dem ein 50-jähriger Schwarzer getötet wurde. (youtube.com, 10. April 2015)

Die von einer im Polizeiwagen angebrachten Kamera aufgenommenen Bilder zeigen, wie der Beamte den 50-jährigen wegen eines defekten Rücklichts anhält. Mit dessen Papieren kehrt der Polizist zu seinem Wagen zurück, vermutlich um eine Routinekontrolle vorzunehmen.

Unterdessen versucht der Afroamerikaner, seinen Wagen zu verlassen, steigt aber auf Anweisung des Polizisten wieder ein. Wenige Sekunden später springt er aus dem Wagen und rennt davon, gefolgt vom Polizisten. Beide verlassen das Blickfeld der Kamera.

Anschliessend schoss der 33-jährige Beamte achtmal auf den Flüchtenden. Fünf Kugeln trafen das Opfer in den Rücken. Ein Passant hatte die Tat zufällig mit seinem Handy gefilmt. Nach seinen Todesschüssen auf den Unbewaffneten wurde der Polizist entlassen und wegen Mordes angeklagt. Er hatte sich auf Notwehr berufen.

Debatte um Polizeigewalt

Die Familie des Opfers prangerte am Donnerstag die Polizeigewalt in den Vereinigten Staaten an. "Etwas wird sich ändern, etwas muss sich ändern", sagte der Bruder des Opfers in North Charleston der Nachrichtenagentur AFP. Die Familie hoffe, dass der Tod des 50-Jährigen zu einem Sinneswandel bei der Polizei führe.

Der Vorfall befeuerte die Debatte über exzessive Gewaltanwendung und die Diskriminierung von Afroamerikanern durch Polizisten in den USA. Aktivisten forderten wegen des tragischen Vorfalls eine Sondersitzung des Stadtrats von North Charleston und die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses.

Es handle sich "bei weitem nicht um einen isolierten Einzelfall", sondern um "Symptome eines Polizeisystems", die unerklärlich für die Gemeinde seien, die eigentlich geschützt werden solle, erklärte die Gruppe Black Lives Matter CHS.

Derweil wurde in einer Online-Kampagne für den Beamten gesammelt, der zwei Stiefkinder hat und dessen Frau ein weiteres Kind erwartet. Bislang kamen auf der Website Indiegogo mehr als 1500 Dollar zusammen. (sda/dpa/afp)


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