Polizei nimmt mutmassliche Komplizen fest

ANSCHLÄGE IN DÄNEMARK ⋅ Nach den Anschlägen von Kopenhagen hat die dänische Polizei zwei mutmassliche Helfer des Attentäters gefasst. Ihnen werde vorgeworfen, dem Täter ein Versteck verschafft und bei der Entsorgung der Tatwaffe geholfen zu haben.

Das sagte der Anwalt eines der Verdächtigen, Michael Juul Eriksen, am Montag der Nachrichtenagentur AFP. Die beiden Festgenommenen wurden am Montag einem Haftrichter vorgeführt. Die dänische Polizei bestätigte die Festnahmen, machte aber keine Angaben zu den gegen die Verdächtigen erhobenen Vorwürfen.

Ein 22-Jähriger hatte am Wochenende bei Angriffen auf ein Kulturzentrum und eine Synagoge zwei Menschen erschossen und fünf Polizisten verletzt, bevor er von der Polizei erschossen wurde. Nach Angaben der Polizei wurde er in Dänemark geboren. Laut dänischen Medien war er palästinensischer Abstammung.

Nachahmung der Anschläge von Paris vermutet

Der Mann wurde laut der Boulevardzeitung "Ekstra Bladet" erst vor zwei Wochen aus dem Gefängnis entlassen, wo er wegen schwerer Körperverletzung gesessen habe. Demnach wurde er im Dezember verurteilt, weil er ein Jahr zuvor in einem Kopenhagener Bahnhof einen 19-Jährigen ohne erkennbaren Grund niedergestochen hatte. Den Grossteil der Strafe habe er durch die Untersuchungshaft verbüsst.

Laut dem Bericht, der auch vom Fernsehsender TV2 aufgegriffen wurde, gehörte der junge Mann einer kriminellen Gang namens Brothas im Stadtteil Nörrebro an. In dem Viertel wurde er nach den Angriffen vom Wochenende von Polizisten erschossen.

Die Behörden vermuten, dass er die Anschläge von Dschihadisten auf die französische Satire-Zeitung "Charlie Hebdo" und einen jüdischen Supermarkt in Paris im Januar nachahmen wollte. Frankreich Ministerpräsident Manuel Valls kündigte an, die seither verschärften Sicherheitsvorkehrungen blieben in Kraft.

Polizei nennt Namen des Attentäters nicht

Die Polizei nannte den Namen des Attentäters nicht. Zur kriminellen Vergangenheit des Mannes hiess es, dieser sei wegen mehrerer Gewalttaten polizeibekannt gewesen und habe gegen Waffengesetze verstossen. Er habe zudem Kontakte zu kriminellen Banden gehabt. Ob sich der junge Mann möglicherweise im Gefängnis radikalisierte, war unklar.

Die Anschläge wurden in vielen Teilen der Welt verurteilt. In Dänemark wehten die Flaggen am Montag auf Halbmast. Als Zeichen der Solidarität mit Dänemark wurden auch in Brüssel die Flaggen vor allen EU-Institutionen auf halbmast gesetzt.

Gedenkfeier

Rund 40'000 Menschen versammelten sich am Montagabend in Kopenhagen zu einer Gedenkstunde für die beiden Opfer der Terroranschläge. Die dänische Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt sagte: "Wir bestehen auf unsere Freiheit. Wir passen aufeinander auf."

Sie forderte ihre Landsleute auf, ihrem Alltagsleben wieder nachzugehen. Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, Dan Rosenberg Asmussen, appellierte an Muslime und Juden zusammenzustehen.

Auswanderungsempfehlung ausgeschlagen

Die jüdische Gemeinde in Dänemark schlug am Montag den Vorschlag von Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu zur Auswanderung nach Israel aus. "Wir sind dankbar für Netanjahus Besorgnis, aber wir sind Dänen, wir sind dänische Juden, aber wir sind Dänen", sagte ein Sprecher. "Wir werden nicht wegen Terrors nach Israel gehen", ergänzte er.

Dänemarks Chefrabbiner Jair Melchior sagte: "Jetzt müssen jüdische Gemeinden überall gestärkt werden. Weil Juden überall dort bleiben und leben können, wo sie sind". Er nannte Vergleiche des heutigen Europas mit der Situation vor dem Zweiten Weltkrieg "ärgerlich und unangemessen". "Dies sind keine Nazis. Dies sind keine Pogrome. Dies sind bösartige Terroristen, die es nicht verdient haben, uns vorzuschreiben, wie wir zu leben haben."

Netanjahu hatte am Sonntag Europas Juden angesichts der jüngsten antisemitischen Straftaten aufgefordert, nach Israel auszuwandern. Er reagierte damit auf die Anschläge von Kopenhagen. Auch nach den Terroranschlägen von Islamisten in Paris mit 17 Toten im Januar hatte Netanjahu die Juden in Frankreich bereits zu einem solchen Schritt aufgefordert. (sda/dpa)


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