Trauer nach Tod japanischer IS-Geisel

IS-VORMARSCH ⋅ Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat im Internet ein Video veröffentlicht, das die Ermordung der zweiten japanischen Geisel zeigen soll. Die Beobachtungsseite Site bestätigte die Authentizität der Aufnahme.

In dem am Samstagabend verbreiteten Video ist der Journalist Kenji Goto in der Gewalt eines IS-Kämpfers zu sehen. Anschliessend wird ein Standbild veröffentlicht, das den abgetrennten Kopf des 47-Jährigen zeigen soll.

Gotos Mutter äusserte sich in Tokio bestürzt über die Todesnachricht. "Mir fehlen die Worte, um zu beschreiben, was ich empfinde", sagte die um Fassung ringende Junko Ishido.

Die japanische Regierung hält das jüngste Hinrichtungsvideo für authentisch. "Nach einer umfangreichen Überprüfung glauben wir, dass die Wahrscheinlichkeit sehr hoch ist", sagte Regierungssprecher Yoshihide Suga am Sonntag. Man sei "zornig" über einen weiteren Akt des Terrorismus.

Unerwähnt blieb im Video das Schicksal einer weiteren jordanischen Geisel. Japans Regierung hatte sich gemeinsam mit Jordanien in der vergangenen Woche um die Freilassung beider bemüht.

Der IS wollte Goto nur im Austausch gegen eine in Jordanien inhaftierte Islamistin freigeben. Amman forderte jedoch zunächst ein Lebenszeichen von dem seit Mitte Dezember gefangenen jordanischen Piloten.

200 Millionen Dollar Lösegeld

Der 47-jährige Goto hatte als freier Journalist über viele Kriegsgebiete in aller Welt berichtet. Dabei ging es ihm stets um das Schicksal einfacher Menschen. Immer wieder erzählte er zu Hause japanischen Kindern vom Los der Kindersoldaten, von Teenagern mit Aids und von der harten Realität in Krisengebieten.

Der IS hatte Goto vor knapp zwei Wochen erstmals in einem Video gemeinsam mit dem ebenfalls entführten Japaner Haruna Yukawa präsentiert. Nachdem Tokio die Zahlung von 200 Millionen US-Dollar Lösegeld verweigert hatte, verkündeten die Dschihadisten vergangenen Samstag die Tötung Yukawas.

In dem nun veröffentlichten Video droht ein in Schwarz gekleideter IS-Kämpfer dem japanischen Premierminister Shinzo Abe, "ein Massaker zu veranstalten, wo auch immer deine Leute zu finden sind". Wie in früheren Enthauptungsvideos des IS kniet die Geisel in einem orangen Overall, der an die Häftlingskleidung im US-Gefangenenlager Guantanamo erinnert. "Eine ganze Armee dürstet nach eurem Blut", sagte der IS-Kämpfer.

"Verkörperung des Bösen"

Japans Regierungschef Abe äusserte Abscheu. "Wir werden dem Terrorismus nicht nachgeben", sagte Abe am frühen Sonntagmorgen (Ortszeit) an seinem Amtssitz zu Reportern. Japan werde auch weiterhin Verantwortung zeigen, indem es seine humanitären Hilfen ausweite. Abe bedankte sich bei befreundeten Staaten, insbesondere bei Jordanien, für die Hilfe in der Geiselkrise.

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon reagierte mit Abscheu auf die Tötung. Er verurteile die "barbarische Ermordung" des Journalisten auf das Schärfste. Ban forderte die Extremisten auf, alle weiteren Geiseln freizulassen, ohne dafür Bedingungen zu stellen.

US-Präsident Barack Obama verurteilte die "abscheuliche Ermordung" der japanischen Geisel. Der britische Premierminister David Cameron äusserte sich ebenfalls erschüttert über das "verachtenswerte und entsetzliche" Video.

Die mutmassliche Hinrichtung sei ein weiterer Beleg dafür, dass die IS-Miliz "die Verkörperung des Bösen ist". Frankreichs Staatschef François Hollande erklärte, er verurteile "mit grösstem Nachdruck die brutale Ermordung" der Geisel. (sda/dpa/afp)


Login


 

Anzeige: