UNO empört über Angriff auf Hilfskonvoi

SYRIEN ⋅ Die Vereinten Nationen haben mit Abscheu und Fassungslosigkeit auf einen tödlichen Luftangriff auf einen von ihr organisierten Hilfskonvoi in Syrien reagiert. UNO-Vertreter zeigten sich "enorm empört" und rückten den Angriff in die Nähe eines Kriegsverbrechens.

Aktualisiert: 
20.09.2016, 06:33

Die Hilfsmitarbeiter starben bei Attacken auf einen Konvoi mit humanitärer Hilfe. Die UNO, in deren Auftrag der Konvoi unterwegs war, bestätigte den Beschuss. Zur Zahl der Todesopfer, die von der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte stammen, machte die UNO keine Angaben. Eine Sprecherin des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz erklärte, die Lage vor Ort sei "sehr chaotisch".

Laut der UNO wurden mindestens 18 Lastwagen mit Hilfsladungen bei Angriffen in Orum al-Kubra westlich von Aleppo beschädigt. Sie gehörten zu einem Konvoi von 31 Fahrzeugen der UNO sowie des Roten Halbmonds, die 78'000 Menschen in Orum al-Kubra versorgen wollten. UNO-Vertreter Stephen O'Brien zeigte sich "zutiefst besorgt".

Offenbar 32 Tote

Insgesamt wurden bei Luftangriffen in der Provinz Aleppo am Montagabend nach Angaben der Aktivisten 32 Zivilisten getötet, darunter sechs Menschen in der Stadt Aleppo. Ein AFP-Reporter in Aleppo berichtete von ununterbrochenen Bombardierungen, Ambulanzen mit heulenden Sirenen rasten durch den östlichen Teil der Stadt.

Das russische Militär, das die syrische Führung unterstützt, erklärte, die Aufständischen hätten einen Grossangriff auf Stellungen ausserhalb von Aleppo gestartet, die von der Regierung gehalten werden. Darauf hätten die Regierungstruppen mit "massiver Artillerie" reagiert.

Regime kritisiert Rebellen

Die syrische Armee hatte am Montagnachmittag die vor einer Woche in Kraft getretene Waffenruhe für beendet erklärt. Sie sei von den Aufständischen "in keinem einzigen Punkt eingehalten worden". Die Rebellen hätten die Feuerpause mehr als 300 Mal verletzt, hiess es.

Die Waffenruhe hätte "eine reale Gelegenheit sein können, das Blutvergiessen zu stoppen, aber die bewaffneten terroristischen Gruppen haben das Abkommen missachtet".

Schon vor der Erklärung der syrischen Armee sagte der russische General Sergej Rudskoj, die "einseitige Einhaltung" der Waffenruhe durch die syrischen Regierungstruppen habe "keinen Sinn" mehr.

US-Aussenminister John Kerry erklärte, die Bedingungen für eine militärische Zusammenarbeit Washingtons und Moskaus gegen Dschihadisten seien noch immer nicht erfüllt. Die erhoffte Waffenruhe für die Bereitstellung humanitärer Hilfe sei nicht erreicht worden. Die USA und Russland hatten die Waffenruhe gemeinsam ausgehandelt. (sda/afp)


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