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UNO schickt Gesandte nach Damaskus

SYRIEN ⋅ Die Lage der Menschen im umkämpften palästinensischen Flüchtlingslager Jarmuk ist verzweifelt. Helfer und Aktivisten fordern eine Kampfpause, um die notleidende Bevölkerung erreichen zu können. Die UNO schickt nun Gesandte nach Damaskus.

Am Samstag sollte der Chef des UNO-Hilfswerks für die Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA), der Schweizer Pierre Krähenbühl, in Damaskus eintreffen. Die UNO schickt zudem den Diplomaten Ramzi Ezzeldin Ramzi in die syrische Hauptstadt.

Krähenbühl werde mit der syrischen Führung über die dramatische Lage in Jarmuk im Süden von Damaskus sprechen, berichtete die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf eine UNO-Mitteilung. Zudem solle er Flüchtlinge treffen, denen es gelungen ist, aus Jarmuk zu fliehen.

In Jarmuk, wo noch rund 16'000 Menschen leben, kämpfen palästinensische Bürgerwehren gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Diese kontrolliert seit Anfang des Monats weite Teile der Flüchtlingsstadt. Deren Bewohner sind wegen der Kämpfe von der Versorgung mit Lebensmitteln, Trinkwasser und Arzneien weitgehend abgeschnitten.

UNO-Organisationen beschrieben die Lage in Jarmuk zuletzt als dramatisch und forderten eine unverzügliche Kampfpause, um die Zivilbevölkerung mit dem Nötigsten versorgen zu können. UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon hatte erklärt, Jarmuk würde sich zu einem "Todeslager" entwickeln.

Unübersichtliche Lage

Die Lage dort blieb am Samstag unübersichtlich. Aktivisten berichteten von neuen Scharmützeln. Eiman Abu Haschim, ein Funktionär der syrischen Exil-Regierung, sagte der Nachrichtenagentur dpa in Beirut, dass der IS inzwischen fast alle der von ihm kontrollierten Gebiete in Jarmuk an die islamistische Al-Nusra-Front abgetreten habe.

Die Darstellung liess sich von unabhängiger Seite nicht überprüfen. Die Al-Nusra-Front ist ein Ableger des Terrornetzes Al-Kaida und steht in der Regel in scharfer Konkurrenz zum IS.

Aktivisten hatten jedoch berichtet, dass das überraschende Eindringen des IS in Jarmuk durch aktive Mithilfe von örtlichen Al-Nusra-Gruppen ermöglicht worden war.

Militärflughafen angegriffen

Im Süden Syriens griffen Rebellen derweil einen Militärflughafen an. Die Regierungstruppen hätten bei der Verteidigung des Luftwaffenstützpunkts von Chalchalah südlich der Hauptstadt Damaskus 20 Soldaten verloren, wie die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Samstag mitteilte. Zudem seien 15 Rebellenkämpfer bei dem Angriff getötet worden.

Der Angriff auf die Basis an der Strasse zwischen Damaskus und der Provinzhauptstadt Suweida sei zurückgeschlagen worden. Der Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman, sagte der Nachrichtenagentur AFP, er nehme an, dass es sich bei den Rebellen um Mitglieder des IS handle. Die Gegend sei von Drusen bewohnt, die sich wie andere religiöse Minderheiten Angriffen der Dschihadisten ausgesetzt sehen.

Zudem nahmen Aufständische in der Nacht zum Samstag in der zweitgrössten syrischen Stadt Aleppo einen von Regierungstruppen gehaltenen Bezirk unter Granatenbeschuss und töteten dabei mindestens fünf Menschen. Die Zahl der Toten sei voraussichtlich noch höher, erklärte die Syrische Beobachtergruppe für Menschenrechte.

Das etwa 50 Kilometer von der syrisch-türkischen Grenze entfernte Aleppo liegt auf der Frontlinie des Bürgerkrieges. (sda/dpa/afp/reu)

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