In Tunis tagt das Weltsozialforum

TUNIS ⋅ Das 10. Weltsozialforum ist am Dienstag in Tunis mit einem Marsch für "Freiheit, Gleichheit, soziale Gerechtigkeit und Frieden" eröffnet worden. Unter hohen Sicherheitsvorkehrungen und bei strömendem Regen gingen tausende Teilnehmer zum Bardo-Museum.

Dort drückten sie ihre Solidarität mit den Opfern des Terroranschlags auf das Nationalmuseum vergangene Woche aus, bei dem 20 Touristen und ein tunesischer Polizist getötet wurden. Die für Dienstag geplante Wiedereröffnung des Museums war aus Sicherheitsgründen verschoben worden.

Alternative Globalisierung

"Eine andere Welt ist möglich": Unter diesem Motto diskutieren an der Gegenveranstaltung zum Weltwirtschaftsforum in Davos Vertreter von Nichtregierungsorganisationen aus aller Welt von Mittwoch bis Freitag über eine alternative, sozialere Globalisierung.

Rund 5000 Organisationen veranstalten Workshops zu Entwicklungs- und Umweltfragen, aber auch zu Bodenspekulation. Debattiert wird zudem über Meinungs- und Versammlungsfreiheit, die Rechte von Minderheiten oder über die Auswirkung des Bergbaus in Afrika auf die betroffene Bevölkerung.

Angereist sind auch Vertreter von Organisationen aus Südalgerien, wo es zurzeit soziale Proteste gegen die Förderung von Schiefergas gibt. Denn dazu wird viel Wasser benötigt, das im Süden Algeriens rar ist.

Das Weltsozialforum (WSF) pflegt bisher eine absolute Meinungsfreiheit. Und so will eine andere Organisation, offenbar von der algerischen Regierung beauftragt, über die Vorteile des Frackings sprechen. Marokko schickte offenbar ebenfalls eine Organisation nach Tunis, die einen Workshop zum Thema "Entstehung des Terrorismus in den Saharaoui-Flüchtlingscamps im algerischen Tindouf" veranstalten will - sehr zum Entsetzen der WSF-Organisatoren.

"Jetzt erst recht"

Auch die 60-köpfige Schweizer Delegation liess sich nicht durch den Terroranschlag von ihrer WSF-Teilnahme abhalten. "Jetzt erst recht", lautete der Tenor. Den Grossteil der Delegation stellen Organisationen wie Alliance Sud, E-CHANGER/COMUNDO oder Amnesty International sowie die Gewerkschaft Unia.

Einige Politikerinnen und Politiker aus dem Bundeshaus reisten ebenfalls nach Tunis, unter ihnen Ständeratspräsident Claude Hêche (SP), SP-Nationalrätin Susanne Leutenegger-Oberholzer sowie die Grünen Ueli Leuenberger, Christian Van Singer und Luc Recordon.

E-CHANGER/COMMUNDO führt zusammen mit weiteren Organisationen wie Solifonds und Unité einen Workshop über solidarische Entwickungszusammenarbeit durch. Alliance Sud veranstaltet eine Diskussion über öffentliche-private Partnerschaft. (sda)


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