Wut über Mohammed-Karikatur erreicht Grosny

TSCHETSCHENIEN ⋅ Hunderttausende Tschetschenen sind am Montag dem Aufruf ihrer Regierung gefolgt und haben in Grosny gegen die Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen in der neuen Ausgabe des französischen Satiremagazins "Charlie Hebdo". protestiert.

Tschetscheniens Präsident Ramsan Kadyrow hatte Muslime aus der ganzen Kaukasus-Region herbei beordert. Ein Sprecher des russischen Innenministeriums sagte, mehr als 800'000 Personen seien dem Aufruf gefolgt.

Die Tschetschenen sind überwiegend Muslime. In Grosny leben jedoch nur 220'000 Menschen, ganz Tschetschenien hat kaum mehr als 1,2 Millionen Einwohner. Ein AFP-Reporter vor Ort schätzte die Menge im Zentrum der Hauptstadt auf mehrere Hunderttausend.

Drohungen an Westen

Unter "Allahu-Akbar"-Rufen ("Gott ist gross") zogen sie vor die grosse Moschee. Dort drohte der vor acht Jahren von Russlands Präsident Wladimir Putin inthronisierte Staatschef Kadyrow: "Wir werden niemandem erlauben, ungestraft den Namen unseres Propheten und unsere Religion zu beleidigen."

Kadyrow warf westlichen Journalisten vor, die Gefühle von Gläubigen zu verletzen. Der Protest richte sich deshalb auch "gegen all diejenigen, die die Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen unterstützten". Das russische Fernsehen übertrug live. Zu sehen war, wie Teilnehmer Luftballons aufsteigen liessen und ihre Liebe zum Propheten Mohammed bekundeten.

Die russische Regierung hatte sich nach dem Anschlag in Paris zunächst solidarisch mit der Satirezeitung gezeigt. Nachdem die überlebenden Zeichner in ihrer neuen Ausgabe einen weinenden Mohammed auf der Titelseite druckten, wendete sich das Blatt. Die Medienaufsicht in Moskau stellte den Nachdruck der Karikatur unter Strafe. (sda/afp)


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