Der Libanon zeigt keine Angst vor Donald Trump

NAHOST ⋅ Der Libanon rätselt über die Absichtserklärungen des US-Präsidenten, zeigt sich aber nicht gross beeindruckt davon. Syriens Staatspräsident Assad sucht währenddessen die Nähe zu seinen Verbündeten.
13. April 2018, 07:30

Michael Wrase, Limassol

Mit dem Sprichwort «Hunde, die bellen, beissen nicht», beginnt Caroline Hayek, die Kolumnistin der konservativen Beiruter Tageszeitung «L’Orient le Jour», ihre Betrachtung über die sich ­abzeichnende Konfrontation der Grossmächte im Nahen Osten. In ihrem Beitrag bringt die Libanesin ihre Hoffnung zum Ausdruck, dass «trotz der kriegerischen Rhetorik der grosse Schlagabtausch am Ende vermieden wird». Doch sicher ist sie nicht.

Die Russen würden sich grosse Sorgen machen, dass die USA dieses Mal den Präsidentenpalast in Damaskus sowie Wohnhäuser von Staatschef Assad angreifen könnten, zitiert Hayek den Vizepräsidenten des «russisch-französischen Observatoriums» in Moskau, Igor Delanoë. Eine «rote Linie» wäre dann überschritten. Russland würde sich dadurch genötigt fühlen, zurückzuschlagen – in welcher Form auch immer.

USA könnten Russland vorab informieren

Als gesichtswahrenden Ausweg für alle Parteien nennen libanesische Analysten und Militärexperten eine Absprache der Supermächte vor einem möglichen amerikanischen Militärschlag. Wie im letzten Jahr, als Washington Moskau den Ort und Zeitpunkt des Angriffs auf den ­syrischen Wüstenstützpunkt ­Al-Schairat rechtzeitig verraten hatte und damit die Flucht rus­sischer Soldaten ermöglichte, könnten die Amerikaner auch dieses Mal Russland vorab über ihre Pläne informieren. Der «Überraschungsmoment» wäre dann allerdings hinfällig. Auch Syrer und Iraner würden vermutlich in Deckung gehen. Nimmt man US-Präsident Trump beim Wort, dann sollen dieses Mal «intelligente» und «wunderschöne Raketen» die Syrer überraschen. Was man sich darunter vorzustellen hat, ist höchst unklar. Angst scheinen die Absichtserklärungen des US-Präsidenten in Beirut jedenfalls nicht zu verbreiten.

Vielmehr macht man sich lustig über die «wunderschönen ­Raketen», welche in den vielen Kriegsjahren im Libanon niemals zum Einsatz gekommen seien. «Warum verspricht uns dieser Trump nicht gleich einen wunderschönen Krieg?», fragt eine junge Frau halb erbost, halb spöttisch. Aus der Ruhe bringen lassen wollen sich in Libanesen jedenfalls nicht. Man werde auch den «wunderschönen Trump» überleben.

Trotzdem werden die vielen Gerüchte und Verschwörungstheorien, welche seit Wochenbeginn im Umlauf sind, weiterhin gierig aufgesaugt und häufig als «Fait accompli» akzeptiert. So soll die syrische Armee ihre besten Panzer, Flugzeuge und Helikopter inzwischen auf russische Stützpunkte gebracht haben, weil sie dort angeblich vor ihrer Zerstörung sicher seien.

Staatspräsident Assad, hiess es bis zum Dienstag, sei «untergetaucht» und nach Moskau evakuiert worden – bis er dann am Mittwochabend in seinem Palast eine Gruppe von sunnitischen Geistlichen zum Dinner empfing und den «Event» als Beweis live übertragen liess. Ein Präsident, der sich in der Stunde der Gefahr versteckt, verliert rasch an Ansehen. Das weiss offenbar auch Baschar al-Assad, der sich gestern Nachmittag mit dem engsten Berater des iranischen Revolutionsführers Ali Khamenei, Ali Akbar Velayati, traf.

Iran, so die Botschaft nach dem Meeting, werde auch in der kommenden Schlacht fest an der Seite der syrischen Brüder stehen. Oder umgekehrt. Denn Militärbeobachter in Beirut erwarten, dass sich US-Angriffe, falls sie wirklich stattfinden, vor allem gegen iranische Stützpunkte in Syrien richten könnten. Damit könne auch Russland leben.


Anzeige: