Kim Jong Uns gefährliche Rachsucht

NORDKOREA ⋅ Am Rande des Asean-Gipfels in Manila hat Pjöngjang seine Rhetorik gegen Südkorea und die USA erneut verschärft. Seoul sieht eine «hohe Wahrscheinlichkeit» für einen Krieg.
08. August 2017, 07:15

Als Reaktion auf die am Sonntag vom UN-Sicherheitsrat verschärften Sanktionen hat Nordkoreas Diktator Kim Jong Un erklärt, die Strafmassnahmen seien eine «Verletzung unserer Souveränität». Das Atomprogramm stehe nicht zur Disposition, verkündete die staatliche Nachrichtenagentur KCNA. «Wir werden niemals auch nur einen einzigen Schritt weg von der Stärkung unserer Atommacht unternehmen.»

Erneut drohte Nordkorea den USA mit «tausendfacher» Vergeltung. «Es gibt keinen grösseren Fehler für die USA als zu glauben, dass ihr Land auf der anderen Seite des Ozeans sicher ist», hiess es aus dem Kim-Regime. Ein Dialogangebot des südkoreanischen Staatschefs Moon Jae wies Kim zurück. Der Of­ferte mangle es an «Aufrichtigkeit», erklärte Pjöngjangs Aussenminister Ri Yong Ho gestern seiner südkoreanischen Amtskollegin Kang Kyung Wha. Bei dem Treffen am Rande der Asean-Sicherheitskonferenz in Manila hatte Seoul nochmals die Bereitschaft erklärt, Nordkorea an den Verhandlungstisch zurückzuführen. Chinas Chefdiplomat Wang Yi zeigte sich enttäuscht, bekräftigte aber seine Hoffnung, dass eine Verbesserung der Beziehungen beider Staaten die Lage auf der koreanischen Halbinsel entspannen könnte. Auch US-Aussenminister Rex Tillerson sieht noch Chancen auf einen Dialog. Allerdings müsse sich dafür die aggressive Haltung Nordkoreas ändern.

Südkoreas im Mai gewählter linksliberaler Präsident, der einst mit seinen Eltern aus Nordkorea floh, strebt eine «neue Vision für Frieden auf der koreanischen Halbinsel» an. Dafür ist er auch bereit, Kim Jon Un trotz dessen Provokationen persönlich zu treffen. Es brauche eine konsequente vertrauensbildende Politik.

Moon hatte angeregt, den seit Ende 2015 gerissenen Gesprächsfaden wieder aufzunehmen. Konkret schlug er Militärgespräche und weitere Familientreffen zwischen Nord und Süd vor. Der dafür angebotene Termin am 27. Juli, Jahrestag des Waffenstillstands von 1953, ist verstrichen. Südkorea verfolgt aber weiter eine Doppelstrategie aus Sanktionen und Dialog. Moon treibt die Sorge um, dass sich die Lage zu einem Krieg zuspitzen könnte. Er wird mit den Worten zitiert: «Die Realität ist, dass es eine hohe Wahrscheinlichkeit für einen militärischen Konflikt entlang der Demarkationslinie gibt.» In einem Telefonat mit Donald Trump mahnte Moon am Sonntag eine «friedliche und diplomatische Lösung» an.

Ein Krieg würde Seoul empfindlich treffen

Eine bewaffnete Eskalation wäre für Südkorea eine Katastrophe. Zehntausende Tote würde laut Militärs allein ein überraschender Artillerieschlag gegen Seoul fordern. Unter Druck gerät auch Moskau. Unter Raketenexperten ist unbestritten, dass der grösste Teil des nordkoreanischen Testprogramms nur mit Technologielieferungen und Know-how aus Russland möglich ist.

Damit wären alle bisher beschlossenen Sanktionen systematisch unterlaufen. Moskau bestreitet die Vorwürfe.

Angela Köhler, Tokio

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