Papst rechtfertigt Umgang mit Rohingya-Krise

PAPSTREISE ⋅ Papst Franziskus hat seinen zurückhaltenden Umgang mit der Krise um die muslimischen Rohingya-Flüchtlinge aus Myanmar verteidigt. Er habe in seinen offiziellen Reden das Wort "Rohingya" vermieden, um seinen Gastgebern nicht "die Tür vor der Nase zuzuschlagen".
Aktualisiert: 
03.12.2017, 02:10
03. Dezember 2017, 00:14

"Sie wussten schon, was ich denke", sagte der Papst am Samstag auf dem Rückflug nach Rom von seiner Asienreise. "Für mich ist am wichtigsten, dass die Botschaft ankommt."

Während seines Besuchs in Myanmar hatte der Papst die Rohingya nicht beim Namen genannt und die systematische Verfolgung der muslimischen Minderheit auch nicht direkt angesprochen. Kritiker hatten ihm das als übertriebene Rücksichtnahme auf seine Gastgeber ausgelegt. Erst nach einer Begegnung mit Rohingya-Flüchtlingen in Bangladesch hatte der Papst am Freitag den Begriff "Rohingya" verwendet.

Die Rohingya werden in Myanmar systematisch verfolgt, mehr als 620'000 Angehörige der Minderheit flüchteten in den vergangenen Monaten ins verarmte Nachbarland Bangladesch. Der Begriff "Rohingya" ist in Myanmar ein Politikum: Die dortige Regierung bestreitet, dass es sich bei der muslimischen Minderheit um eine eigene ethnische Gruppe handelt. Sie betrachtet die Rohingya vielmehr als illegale Einwanderer aus Bangladesch.

Wegen Flüchtlingen "geweint"

Auf dem Rückflug nach Rom zeigte sich der Papst "sehr zufrieden" mit seinen Gesprächen in Myanmar. Er deutete an, in den vertraulichen Unterredungen mit der Staatsführung deutlicher seine Meinung gesagt zu haben als in seinen öffentlichen Äusserungen.

Das Treffen mit den Rohingya-Flüchtlingen in Bangladesch sei für ihn "eine der Bedingungen" für seine Asienreise gewesen, berichtete das Oberhaupt der katholischen Kirche. Die Begegnung habe ihn zu Tränen gerührt, fügte Franziskus hinzu. "Ich habe geweint", verriet der Papst. Er habe allerdings versucht, seine Tränen zu verbergen. (sda/dpa/afp)

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