Syrisches Militär kontrolliert Ost-Ghuta

SYRIEN ⋅ Nach wochenlangen Kämpfen haben die syrischen Regierungstruppen russischen Angaben zufolge die Kontrolle über die Stadt Duma übernommen. Die Nationalflagge wehe über dem Rathaus von Duma - und damit auch über ganz Ost-Ghuta.
Aktualisiert: 
12.04.2018, 10:49
12. April 2018, 06:47

Dies sagte der russische Generalmajor Juri Jewtuschenko laut der Agentur Interfax. Das russische Fernsehen zeigte Bilder der syrischen rot-weiss-schwarzen Flagge mit zwei grünen Sternen über einem nicht näher benannten Gebäude. Das russische Verteidigungsministerium teilte zudem mit, die am Vortag entsandte Militärpolizei habe mit Patrouillen in Duma begonnen.

Die letzten in Duma verbliebenen Rebellen hätten ihre schweren Waffen an die russische Militärpolizei übergeben, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Donnerstag mit. Der Anführer der Gruppe Dschaisch al-Islam, Issam Buwaidani, habe die Enklave in Richtung Norden verlassen.

In den vergangenen Tagen hatten Tausende Menschen die zuletzt von Rebellen gehaltene Stadt verlassen. Die Evakuierung Dumas war unter Beteiligung Russlands ausgehandelt worden. Duma liegt in der Region Ost-Ghuta und ist nur wenige Kilometer von der Hauptstadt Damaskus entfernt.

Warten auf US-Reaktion

Nach einem mutmasslichen Einsatz von Giftgas in Duma schaut die Welt unterdessen gespannt nach Washington. US-Präsident Donald Trump, der die syrische Regierung für den Einsatz verantwortlich macht, hatte am Mittwoch per Twitter mit einem Raketenangriff auf Syrien gedroht.

Beim am Samstag gemeldeten Giftgasangriff sollen der Hilfsorganisation Weisshelme zufolge mindestens 42 Menschen getötet worden sein. Mehr als 500 Personen wurden demnach in Spitälern behandelt. Die USA sprechen von mindestens 85 Toten. Syriens Schutzmacht Russland weist die Vorwürfe gegen Damaskus zurück.

Die britische Premierministerin Theresa May berief für den heutigen Donnerstag eine Sondersitzung des Kabinetts zur Syrien-Krise ein. Zudem wollte der Uno-Sicherheitsrat in New York erneut zu einem Treffen hinter verschlossenen Türen zusammenkommen, um die Frage einer drohenden militärischen Eskalation in Syrien zu erörtern.

Einsatz rechtlich umstritten

In den USA selbst ist eine militärische Einmischung in Syrien rechtlich umstritten. Der Präsident muss laut US-Verfassung eigentlich die Einwilligung des Kongresses einholen. Eine Ermächtigung zum eigenmächtigen Handeln hat er nur im Kampf gegen den Terrorismus.

Es wäre nicht das erste Mal, dass die USA und Trump die Regierung von Baschar al-Assad direkt angreifen. Das US-Militär hatte vor einem Jahr die syrische Luftwaffenbasis Schairat beschossen - als Reaktion auf den Giftgasangriff mit Dutzenden Toten auf die Stadt Chan Scheichun, für den Uno-Experten die Regierung von Assad verantwortlich machten. Das Eingreifen der USA galt aber weitgehend als symbolisch. (sda/dpa/reu/afp)


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