Nordkorea: Verbale Eskalation

Meinung

Dominik Buholzer, Leiter «Zentralschweiz am Sonntag» über die Aussagen von US-Präsident Donald Trump in der Nordkorea-Frage.
13. August 2017, 04:38

Zuerst sollte Nordkorea mit immer neuen Sanktionen zum Einlenken bewegt werden. Gefruchtet hat es nicht. Jetzt liefern sich die USA und Nordkorea schon fast im Tagesrhythmus neue Wortgefechte. Das sorgt nicht nur an den Aktienmärkten für Verunsicherung. Wo führt das noch hin? Die Frage traut man sich schon fast nicht mehr zu stellen.

Das Regime in Pjöngjang hat sich schon immer in der Rolle des Bösewichts gefallen. Ob Kim Jong Un oder sein Vater: Verbale Drohungen gehörten stets zum Repertoire eines der letzten kommunistischen Regimes. Andere Instrumente, um die internationale Gemeinschaft und das eigene Volk zu beeindrucken, kennt es nicht. Das zeigt der Bericht unserer Korrespondentin Angela Köhler sehr gut auf (siehe Auslandseite). Das hat sich auch mit dem Machtwechsel vor ein paar Jahren nicht geändert. Kim Jong Un hat zwar in seiner Zeit im Internat in Bern die Schokolade lieben gelernt, aber die Demokratie als Staatsform nicht.

Die USA haben auf das Säbelrasseln in der Vergangenheit stets mit Ruhe und Vernunft reagiert. Von ersterem haben sie sich verabschiedet, seit Donald Trump die Präsidentschaft übernommen hat. Die Sprache der Nordkoreaner von Feuer und Wut hat er schnell gelernt. Die USA und Pjöngjang schaukeln sich gegenseitig hoch, gestern gipfelte dies in Trumps Äusserung, dass die USA Gewehr bei Fuss stehen würden, militärische Lösungen aufgegleist seien, falls sich Nordkorea nicht eines Besseren besinne.

Man kann nur darüber spekulieren, was all dies bezwecken soll. Will Trump, der in den vergangenen Monaten mehrere Misserfolge im eigenen Land hinnehmen musste und in einem Umfragetief steckt, nun mit einem harten Kurs in der Nordkorea-Frage bei seinen Wählern punkten? Oder will er damit China, die einzige Nation, die noch Einfluss auf das Regime in Pjöngjang hat, unter Druck setzen?

Trump besitzt zweifellos das Talent des Unberechenbaren. Es bleibt aber zu hoffen, dass er sich nicht zu Schnellschüssen verleiten lässt. An einer Eskalation kann niemandem gelegen sein: weder den USA, noch China und schon gar nicht Nordkorea. Mit martialischen Worten ist nicht zu spassen. Sie können leicht missverstanden werden.

Dominik Buholzer

dominik.buholzer@luzernerzeitung.ch

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