590'000 Franken für hiesige Filme

PREISVERLEIHUNG ⋅ Am Samstagabend wurden die ersten Innerschweizer Filmpreise verliehen. Zwölf Werke erhielten namhafte Beiträge. Und einer der Spezialpreise ging an ein Urgestein des regionalen Kinoschaffens.
04. März 2017, 21:00

Arno Renggli und Andreas Faessler

kultur@luzernerzeitung.ch

Die Zentralschweizer Filmförderung steigt in eine neue Liga auf. Dies dank der Albert-Koechlin-Stiftung (AKS), die im Rahmen des erstmals durchgeführten ­Innerschweizer Filmpreises 590'000 Franken gesprochen hat.

Am Samstagabend fand im Hotel Schweizerhof Luzern die Preisverleihung mit rund 250 Gästen aus Kultur und Politik statt. Hier wurde auch bekannt, welche Beiträge die zwölf von einer Fachjury ausgewählten Filme erhalten (Box). Darunter sind Werke wie «Heidi», «Gotthard» oder «Das Mädchen vom Änziloch», aber auch kleinere Filme. Dieses Wochenende werden alle prämierten Filme im Kino Bourbaki und im Stattkino gezeigt (Hinweis).

Preis wird alle zwei Jahre vergeben

Peter Kasper, Stiftungsratpräsident der AKS, betonte, wie schwierig die Bedingungen für Filmschaffende in der Zentralschweiz seien. Der neue Filmpreis sei eine Ergänzung zu den kantonalen Filmförderungen. Das Engagement der AKS ist keine Eintagsfliege. Vereinbart ist, dass der Preis für mindestens die nächsten zehn Jahre im Zweijahresrhythmus vergeben wird.

Das ist eine gute Nachricht für das hiesige Filmschaffen, das bisher im Vergleich zu anderen Filmregionen der Schweiz unterdurchschnittlich gefördert worden ist. Maria Müller, Präsidentin des Vereins Film Zentralschweiz, sprach denn auch von einer «fantastischen Aufbruchstimmung», welche dieser Preis ermögliche.

Ehrenpreis für den Zuger Filmemacher Erich Langjahr

Mit einem Ehrenpreis würdigt die AKS das Schaffen des Zuger Filmemachers Erich Langjahr (72). Ivo Kummer, Leiter der Sektion Film im Bundesamt für Kultur, sagte am Samstagabend: «Erich Langjahrs Werke beweisen, dass Filme Identität schaffen.» Jurypräsident Christoph Lichtin wies darauf hin, dass Langjahr trotz seines jahrzehntelangen Erfolgs immer in der Region geblieben ist.

Als Regisseur und Kameramann begann Langjahr 1973, als Autodidakt Dokfilme zu produzieren, die überregional Beachtung fanden. Sein erstes Grossprojekt «Morgarten findet statt» stammt von 1978 und ist 2015 zur 700-Jahr-Feier der Schlacht am Morgarten restauriert und digitalisiert worden. Mit dem Kinofilm «Hirtenreise ins dritte Jahrtausend» feierte Langjahr 2003 den grössten Erfolg. Im Jahr zuvor war er mit dem Innerschweizer Kulturpreis ausgezeichnet worden.

«Der Ehrenpreis ist ein zusätzlicher Ansporn, mein Schaffen fortzuführen», sagt Langjahr und verrät, woran er derzeit arbeitet: Die Geschichte um das Traditionsrestaurant Rössli in Root, welches über zwei Jahrzehnte leer gestanden hat, will er filmisch aufarbeiten. Langjahr ist selber in Root wohnhaft.

Als Mitglied der Schweizer Filmakademie beschäftigt er sich intensiv mit der inländischen Filmszene. Was Nachwuchstalente hervorbringen, lobt er: «Die Ausbildungsmöglichkeiten für junge Filmleute haben sich in den letzten Jahren stark entwickelt. Dies trägt sichtbar Früchte.»

Zu viele Filme – zu wenig Leinwände

Allerdings hat auch diese Medaille eine Kehrseite: Die Anzahl hochwertiger Kinoproduktionen des Nachwuchses ist stark gewachsen, nicht aber die Möglichkeiten, sie zu präsentieren und zu würdigen. Langjahr: «Die zahlreichen ebenbürtigen Filmproduktionen stehen sich faktisch im Weg. Das ist schade.»

Dafür sei auch die heutige Technik verantwortlich. Habe man einst eine beschränkte Zahl Filmrollen von Kino zu Kino gereicht, so sei jeder Film heute per Mausklick in allen Kinos sofort digital verfügbar. «Wie soll so jede gute Produktion noch die Beachtung finden, die sie verdient?», gibt Langjahr zu bedenken.

Hinzu komme, dass das heutige Kinopublikum für den jungen Schweizer Film eher älteren Semesters ist. «Dem Nachwuchs fehlt weitgehend das Interesse an der eigenen Generation. Dieser ist oft anderweitig beschäftigt, als wie einst mit Freunden einen guten Film zu besuchen», bedauert Langjahr, der ein «leidenschaftlicher Kinoliebhaber» ist. «Es gibt für mich nichts Schöneres als den gemeinschaftlichen Genuss eines Leinwandspektakels.»

Wie sieht denn die Zukunft des Kinofilms abseits der Blockbuster aus? Erich Langjahr ist sehr gespannt, wie es sich entwickeln wird. Sollte der Kinofilm aber einst aussterben – «dann wäre das ein riesiger Verlust!».

Programm von Sonntag

11 Uhr: «Hirtenreise ins dritte Jahrtausend» (Erich Langjahr).

14 Uhr: Vorstellung ausgebucht.

16 Uhr: «Heidi».

Alle Vorstellungen im Stattkino, Gespräche der Macher im Anschluss. VV: mail@aks-stiftung.ch oder Tel. 041 410 30 60 Infos: www.innerschweizerfilmpreis.ch.

Rahmenprogramm 12 bis 16 Uhr im Kinofoyer: Infostände, Begegnungen mit Filmschaffenden, Workshops für Gross und Klein.

Am 4. März fand im Hotel Schweizerhof in Luzern die Verleihung des 1. Innerschweizer Filmpreises statt. Die Albert-Koechlin-Stiftung spracht den Filmschaffenden insgesamt 590'000 Franken zu.


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