Death by Chocolate – Angst vor Stillstand als Antrieb

NEUES ALBUM ⋅ Mit «Crooked For You» bringt die Bieler Rockband Death by Chocolate ein facettenreiches und intensives drittes Album heraus. Sie hat einen Schritt nach vorne gemacht – auch dank prominenter Unterstützung.
16. März 2017, 04:29

Julia Spahr, SDA

kultur@luzernerzeitung.ch

Es ist der Abend vor dem Tourneestart. Mathias Schenk, Frontmann der Rockband Death by Chocolate, und Pianist Daniel Wyttenbach können es kaum erwarten, ihr neues und drittes Album, «Crooked For You», dem Publikum zu präsentieren – denn sie sind stolz darauf: Es ist das ­Ergebnis der Zusammenarbeit mit dem Produzenten und vierfachen Grammy-Gewinner Vance Powell (The White Stripes, Arctic Monkeys, Seasick Steve).

«Let’s do a record», habe er gesagt, nachdem er in Nashville eine Single mit ihnen produziert hatte. Im Herbst fuhr die Band deshalb nach Brüssel und nahm in den ICP Studios das Album auf. «Es war eine unglaublich fruchtbare Zusammenarbeit», erzählt Schenk. Powell habe eine sehr lockere, nicht verkopfte Herangehensweise an die Musik. «Er hat nie eine Aufnahme ab­gebrochen. Dadurch konnte Unerwartetes passieren, aus dem wir wieder neue Ideen schöpften», sagt Wyttenbach. Und Schenk ergänzt: «Aufnahmetechnisch und musikalisch haben wir einen Schritt nach vorne gemacht. Das ist ein befriedigendes Gefühl, denn meine grösste Angst ist es, stehen zu bleiben.»

Fast ebenso viele ruhige wie rockige Stücke

Dem Album ist anzumerken, dass die Band nicht stehen geblieben ist. «Crooked For You» ist abwechslungsreicher als der Vorgänger «Among Sirens». Während der von Rocknummern dominiert war, sind auf dem neuen Album unter den elf Songs fast ebenso viele ruhige wie rockige Stücke. Auch sind verschiedene Einflüsse hörbar: «The Witch And The Poor» hat etwas von einem melancholisch süffigen Countrysong. Auch in «Two Paths» und dem herzerwärmenden «Cross The City Line» zeigt sich die Band von ihrer sanfteren, poppigen Seite.

Neben den ruhigen Stücken finden sich aber auch harte, gitarrenlastige Rocknummern auf dem Album. Der Beat von «Give Us A Reason» etwa erinnert an einen nervösen, rhythmusgestörten Herzschlag, und die Gitarre tönt wie ekstatische Schreie. «Gravedigger» ist ein eingängiger Rocksong, der andeutet, wie die Band live klingt.

«Among Sirens», das letzte Album der Bieler, erreichte die Top Ten der Schweizer Album-Charts. Dadurch bekam die Band Aufmerksamkeit von den Radios und wurde als «Best Talent 2015» für einen Swiss Music Award nominiert. Das freut die Musiker, auch wenn sie es nicht darauf angelegt haben. «Vor den Aufnahmen überlegten wir nicht, was dem Publikum gefallen könnte. Wir haben uns auf die Musik konzentriert. Erst als die Stücke fertig waren, besprachen wir, welche sich am besten für die Radiostationen eignen», erzählt Wyttenbach.

Die Prioritäten sind klar, wie Schenk betont: «Unser Ziel ist es, auf der Bühne zu stehen. Wenn die Songs zwar am Radio laufen, wir sie live aber nicht spielen können, erfüllt uns das nicht.»

Sogar in Hollywood oder im polnischen «Woodstock»

In den letzten zwei Jahren haben Death by Chocolate über 120 Konzerte gegeben und sind Tausende Kilometer gefahren. Sie spielten sogar in Hollywood, tourten an der Westküste Amerikas ebenso wie durch Europa. Sie traten in Schweizer Klubs und an Festivals auf. An einem der grössten Musikfestivals der Welt, dem «Woodstock» in Polen, spielten sie auf der Hauptbühne.

An die neuen Songs müssten sie sich aber noch gewöhnen: «Wir sind live eher holzfällerisch unterwegs», sagt Schenk. Bei den neuen Songs könnten sie aber nicht so «drichutte». Vor allem die ruhigen Stücke sollten «eher doucement gespielt werden».

Video: Death by Chocolate - Two Paths

Lied aus dem neuen Studioalbum «Crooked For You». Ab Freitag, 17. März 2017, im Handel erhältlich. (youtube.com, 16.03.2017)




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