Beni Bischof im Kunstmuseum St. Gallen

KUNST ⋅ In einer witzigen, kontrastreichen Einzelausstellung zeigt das Kunstmuseum St. Gallen Zeichnungen, Collagen, Skulpturen und Installationen von Beni Bischof. Der 1976 geborene, aus Widnau SG stammende Künstler ist Träger des Manor-Kunstpreises St. Gallen 2015.

13. Februar 2015, 14:59

Zur Begrüssung ragt den Ausstellungsbesuchern eine neongelbe Faust aus der Wand entgegen, ein überlebensgrosser 3D-Druck der geballten Hand des Künstlers. "Place Fist Here Bro!" heisst das 2015 entstandene Werk von Beni Bischof.

Eine grosse Tafel mit den gesprayten Lettern "FAST SIMPLE SMART" (schnell, einfach, klug) gibt gleichsam das Programm vor, wie Kuratorin Nadia Veronese am Freitag im Beisein des Künstlers erklärte. Die meisten Werke der Einzelausstellung, die bis zum 21. Juni dauert, sind neu.

Bischof arbeitet unbändig und intuitiv. Spontane Gedanken zu gesellschaftlichen und politischen Themen übersetzt er in skurrile und witzige Wort- und Zeichenbotschaften. Da sitzt zum Beispiel ein frecher Spatz auf einem schwarzen Polizeischlagstock, der aus der Wand ragt.

Leichtfüssig und verstörend

Fünfzehn an feinen Ketten aufgehängte Baseballschläger hat der Künstler zu einem mehrere Meter grossen Mobile ausbalanciert. Fast alles hängt in diesem grossen Ausstellungsraum. "I'd walk a mile for a Camel" (2015) heisst etwa eine grosse sandfarbene Fellkugel mit Schwanz und einem runden Loch voller Zigarettenkippen.

Den Rotoren des Deckenventilators hat Bischof eine Bierdose, eine Socke und ein langes Haarbüschel aufgesetzt oder angehängt. Die Installationen zeugen von einem "spielerischen, leichtfüssigen Umgang mit Materialien", wie Veronese sagte. Gleichzeitig enthalten sie immer auch etwas Bedrohliches, Verstörendes.

Panorama von visuellen Ideen

Ein Raum ist panoramaartig mit rund 360 Zeichnungen und Aquarellen gefüllt. Die Themen sind vielfältig, zum Teil mit Texten versehen. Aus solchen spontanen "visuellen Ideen" entwickelt Bischof seine grösseren Werke, wie er erklärte. Die Zeichnungen seien "die Basis von allem".

Am Ende der Ausstellung tritt der Besucher in ein mit Gegenständen und Bildern prall gefülltes Zimmer - eine Mischung aus Wohnzimmer und Atelier. "No time to chill" (2015) heisst die Installation. Hier darf gestöbert werden, auch Bücher mit Texten Bischofs liegen auf. (sda)


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