Nachgefragt

Silvan Zingg: «Chuck Berry nannte mich seinen ‹Blues Brother›»

Der Schweizer Boogie-Woogie-Pianist Silvan Zingg (44), dessen Familie aus Luzern stammt, hatte 2005 einen spontanen Auftritt mit dem legendären Chuck Berry. Wir befragten ihn zu seiner Begegnung mit dem Superstar, der am Samstag verstorben ist.

20. März 2017, 16:14

Silvan Zingg, wie genau kamen Sie zu dem Auftritt mit Chuck Berry?

Ich war gerade in Detroit am Blues and Boogie Festival, als ich einen Telefonanruf aus der Schweiz erhielt. Chuck Berry war im Rahmen seiner Tournee in der Schweiz, sein langjähriger Pianist Johnnie Johnson aber war kürzlich gestorben. Er wollte mich als Pianist bei seinem Konzert in Zürich. Ich flog mit dem ersten Flieger in die Schweiz und kam gerade noch rechtzeitig an.

Woher kannte Chuck Berry Sie überhaupt?

Ich spielte 2002 mit meiner Band an einem grossen Bluesfestival in Bellinzona, wir waren vor Chuck Berry an der Reihe. Er und sein Manager hörten mich, wir lernten uns auch persönlich kennen.

Haben Sie vor dem Auftritt mit ihm geprobt?

Proben gab es keine. Wir haben uns begrüsst, dann ging es direkt auf die Bühne. Es war für mich aber überhaupt kein Problem, denn die Songs kannte ich alle noch von meiner Jugend her. Ich hörte viel Jerry Lee Lewis, Bill Haley und vor allem «Johnny B. Goode» von Chuck Berry.

Ich nehme an, ihm hat gefallen, wie Sie spielten.

Es war unglaublich, ich merkte, dass er grosse Freude an meinem Klavierspiel hatte. Auf der Bühne nannte er mich seinen «Blues Brother». Und sagte dem Publikum, dass ich spielen würde, als wäre ich aus St. Louis. Als wir bereits wieder hinter der Bühne waren und die Menge weitertobte, sagte ich zu Chuck: «Come on Chuck, let’s do one more.» Tatsächlich machte er auf dem Absatz kehrt Richtung Bühne, und wir spielten noch vier Zugaben. Das kam bei ihm sehr selten vor.

Haben Sie noch weitere Erinnerungen an den Abend?

Natürlich viele. Aber auch eine an den Morgen danach: Nach dem Frühstück wollte er unbedingt mit der Limousine selber zum Flughafen fahren. Er startete ziemlich zackig und wäre fast mit einem Bus kollidiert. Zum Glück hatte der Busfahrer eine gute Reaktionsfähigkeit.

Wie haben Sie auf die Nachricht seines Todes reagiert?

Mit grosser Betroffenheit. In meinem Herzen wird er bei jedem meiner Konzerte dabei sein.

(are)


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