Fesselnde Dokumentarfilme am «Visions du Réel»

NYON ⋅ Am Freitag startet in Nyon das Visions du Réel. Das Dokumentarfilmfestival zeigt insgesamt 179 Filme aus 55 Ländern. Erneut stark vertreten ist die Schweiz.
20. April 2017, 07:16

Fünf Jahre nach «Hiver nomade», dem preisgekrönten Roadmovie über den Alltag zweier Schafhirten, legt Manuel von Stürler mit «La fureur de voir» ein fesselndes Essay über das Sehen vor. Der Regisseur ist aufgrund einer fortschreitenden Erbkrankheit vom vollständigen Erblinden bedroht.

Aus einer radikal subjektiven Perspektive gefilmt – der Zuschauer sitzt quasi in den Augen des Autors –, begleitet man von Stürler zu Gesprächen bei Ärzten, Forschern und Schicksalsgenossen. Die vielschichtige Auseinandersetzung mit dem Sehen thematisiert nicht nur den neusten Stand der Wissenschaft, sondern auch die faszinierende Frage, wie das Sehen unser Sein beeinflusst.

Vier Schweizer Filme im Langfilmwettwerb

«La fureur de voir» ist einer von vier Schweizer Beiträgen im internationalen Wettbewerb für Langfilme am Visions du Réel in Nyon (21. bis 29. April). In ­«Adieu à l’Afrique» begibt sich Pierre-Alain Meier in Senegal auf die Spurensuche einer jungen Italienerin, die auf einem gekenterten Flüchtlingsboot ums Leben gekommen ist. Dabei konfrontiert sich der 65-jährige Produzent mehrerer afrikanischer Filme mit seinem eigenen Lebensrückblick.

In «A Campaign Of Their Own» begleitet Lionel Rupp («Heimatland») Anhänger von Bernie Sanders während der Vorwahlen für die US-Präsidentschaft beim Klinkenputzen. Für «Retour au Palais» kehrt die langjährige Gerichtsreporterin Yamina Zoutat in den Pariser Justizpalast zurück und spürt den Geschichten nach, die in den Mauern des alten Machtzentrums stecken.

Drei Beiträge mit Zentralschweizer Bezug feiern in Nyon Weltpremiere. «Rising Dragon» von Antonia Meile, «Sing A Rainbow» von Luzius Wespe und Lukas Gut und «Between Classes There Are Dreams» von Simon Weber nahmen am Shanghai Film Lab teil. Sie alle beleuchten das Leben von jungen Menschen in Schanghai. Die Filme der Zentralschweizer Regisseure werden allesamt am Dienstag, 25. April, ab 19 Uhr gezeigt. Am 1. Mai (18.00 Uhr) und 7. Mai (13.30 Uhr) werden sie zudem im Stattkino in Luzern aufgeführt.

Offiziell eröffnet wird das 48. Visions du Réel am Freitagabend mit der Schweizer Premiere des chilenischen Films «Los niños». Darin dokumentiert Regisseurin Maite Alberdi, wie eine Gruppe von Menschen mit Down-Syndrom, die als Kinder die gleiche Schule besuchten, als Erwachsene ihr Schicksal in die eigenen Hände nehmen.

Visions du Réel steht 2017 letztmals unter der Leitung des künstlerischen Direktors Luciano Barisone. Seit seinem Amtsantritt 2011 haben sich die Zuschauerzahlen fast verdoppelt. 2016 zählte das Festival 39 000 Eintritte.

 

Theodora Peter, SDA

kultur@luzernerzeitung.ch

Video: La fureur de voir - Trailer (Französisch)

Dokumentarfilm von Manuel von Stürler. Kinostart: unbekannt. (youtube.com, 20.04.2017)



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