Fulminanter «Rigoletto» in der Viscosistadt

EMMENBRÜCKE ⋅ Eine neue Intendanz, ein neues Ensemble, eine neue Spielstätte: Die Oper am Luzerner Theater startet fulminant in die neue Spielzeit. Giuseppe Verdis «Rigoletto» erlebt in der Viscosistadt in Emmenbrücke eine überzeugende Premiere.

17. Oktober 2016, 15:43

Beat Glur, sda

Nicht im Stammhaus an der Reuss, sondern dort, wo ab 1906 während hundert Jahren Kunstseidengarne hergestellt und in die Welt verkauft wurden, geht Verdis tragischer Opernkrimi «Rigoletto» über die Bühne - und das Publikum steht, beim Fest des Herzogs, buchstäblich mittendrin.

Glitzerzeugs, barocke Kostüme, dick aufgetragene Schminke, ein wildes Hin und Her. Der Herzog begrapscht - wie im Libretto vorgesehen - die verdutzten Besucherinnen und klopft den Herren aufmunternd auf die Schulter. Es herrscht Partystimmung im nach oben offenen Erdgeschoss des Gebäudes, in dem früher Nylon und andere synthetische Garne produziert wurden.

Klaustrophober Raum

Danach geht es für die Opernbesucher steile Eisentreppen hinauf zu ihren auf verschiedene Stockwerke verteilten Sitzplätzen. Der mehrstöckige Bau ist Spielstätte und Zuschauerraum zugleich. In dem labyrinthischen Gewirr von Geländern, Röhren und Maschinen turnen die Darsteller auf und ab. Wem die Sicht versperrt ist, kann das Geschehen auch auf grossflächigen Projektionen mitverfolgen.

Bis auf Scheinwerfer und den Projektoren wurde das Industriegebäude in seinem Originalzustand belassen. Mit fortschreitender Handlung und düsterer werdender Stimmung wird die Halle mehr und mehr zum klaustrophoben Raum, in dem die höfische Gesellschaft munter weiter Party macht, dem zunehmend isolierten Rigoletto das Lachen aber immer öfter im Halse stecken bleibt.

Zu spät merkt Rigoletto, dass alle andern, selbst seine über alles geliebte Tochter Gilda, unter einer Decke stecken. Da sich Gilda ausgerechnet in seinen Dienstherrn, den lüsternen Herzog, verliebt, sinnt er auf Rache. Im Bemühen, alles moralisch richtig zu machen, macht er jedoch alles falsch und verschuldet damit auch Gildas Tod.

Standing Ovation

Magdalena Risbergs Gilda ist kein Mauerblümchen, sondern eine freiheitsliebende Göre mit blau gefärbten Haaren. Und mit Claudio Otelli verfügt die Produktion über eine darstellerisch herausragende und stimmgewaltige Titelfigur, die in der Inszenierung von Marco Storman von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist.

Diego Silva als Herzog, der sein berühmtes «La donna è mobile» von oben herab auf die Zuschauer schmettert, sprüht ebenso vor Spielfreude wie das ganze Ensemble. Dirigent Stefan Klingele sorgt trotz der schwierigen Akustik mit dem im Erdgeschoss platzierten Luzerner Sinfonieorchester für einen ausgeglichenen Klang. Das Premierenpublikum spendete eine lang anhaltende Standing Ovation.

Hinweis: «Rigoletto» wird bis am 2. Dezember insgesamt 17 Mal gespielt. Danach wird das Gebäude abgerissen.
 

Giuseppe Verdis «Rigoletto» spielt in der Viscosistadt in Emmenbrücke.

«Rigoletto» Luzerner Theater from Luzerner Theater on Vimeo.

Giuseppe Verdis «Rigoletto» spielt in der Viscosistadt. (Luzerner Theater, 17.10.2016)

«Rigoletto» Luzerner Theater from Luzerner Theater on Vimeo.

Giuseppe Verdis «Rigoletto» spielt in der Viscosistadt. (Luzerner Theater, 17.10.2016)




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