Gölä: «Alles hat eine schlechte Seite»

ROCK ⋅ Der Berner Sänger Gölä beschwört in seinem neuen Mundartalbum «D Stärne» konservative Werte. Ein Gespräch über Treue, Familie und Trump.

16. Oktober 2016, 05:00

Das politische Interview von Gölä (Marco Pfeuti) im «Sonntagsblick» («Die Schweiz ist zu links») hat viel Staub aufgewirbelt. Der Berner Sänger spielt es herunter, als er mit seinem Manager zum Interview erscheint: «Das habe ich nicht mitbekommen, ich bin nicht auf Facebook.»

Wie haben denn Musiker­kollegen reagiert?

Mit Musikern habe ich keinen Kontakt. Ich sehe mich als Büezer und Unternehmer, der stolz darauf ist, alles selbst aufgebaut und erarbeitet zu haben. Nicht so wie zum Beispiel Sophie Hunger, die vom Staat aufgepäppelt wird.

Der Schweizer Musikpreis, den Sophie Hunger erhielt, ist eine Würdigung. Würden Sie ihn nicht annehmen?

Die ehrliche Würdigung erhalte ich vom Publikum. Für mich zählt Geld weniger als das, was ich an Konzerten erlebe. Ich nehme keine Almosen. Das heisst: Ich würde den Musikpreis gern nehmen, ich würde mich geehrt fühlen. Aber die 100000 Franken würde ich mit denjenigen teilen, denen es wirklich beschissen geht. Eben nicht dem Penner vor dem Denner. Ich würde es zum Beispiel einem Kinderspital spenden. Aber die Frage stellt sich gar nicht: Ich werde ihn nie erhalten.

In «Irgendeinisch» singen Sie von denjenigen, denen es in unserer Gesellschaft dreckig geht.

Es geht mir um diejenigen, die unverschuldet im Scheiss sind. Es geht mir um die wirklich Benachteiligten. Da bin ich sehr sozial.

Die wirklich Benachteiligten heute sind die Kriegsflüchtlinge aus Syrien. Engagieren Sie sich da auch?

Die Flüchtlinge haben mein Mitgefühl, aber die Frage ist eine andere: Macht es Sinn, dass wir fremde Kulturen importieren? Europa war auch mal am Boden. Wir mussten lernen, miteinander auszukommen. Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass es Kulturen gibt, die rückständig sind. Sie müssen diese Erfahrungen noch machen. Aber wir können vor Ort helfen, statt die Probleme zu importieren.

Wie informieren Sie sich?

Das glaubt mir ja wahrscheinlich niemand, aber ich lese von Wissenschaftsbüchern bis «Asterix» alles. Mich hat auf der Welt immer alles interessiert. Ich bin kein Spezialist, aber ich weiss gern von allem etwas und will die Zusammenhänge kennen.

Im Song «Dr glich Ring am Finger» zelebrieren Sie die Ehe und die Treue. Sie selbst sind zum zweiten Mal ver­heiratet.

Die Ehe ist mir völlig egal. Ich habe meiner Frau zu Liebe geheiratet. Mir ist wichtig, was ich zwischen mir und meiner Frau spüre. Was mich heute stört, ist diese Gleichgültigkeit. Alles ist möglich, alles okay. Ob schwul, bisexuell, lesbisch oder sonst was. Wie in Sodom und Gomorrha. Dagegen gilt alles, was noch bis vor kurzem normal war, heute als spiessig.

Wie halten Sie es mit der Treue? Die hats im Leben eines Rockstars schwer.

Treue ist für mich das Wich­tigste. Das ist Ehrensache. Ein aufrichtiger Kerl betrügt seine Partnerin nicht. Sowieso: Rock ’n’ Roll macht nur den kleinsten Teil meines Lebens aus. Ich hatte nie Groupies, habe immer die grosse Liebe gesucht und hoffe, dass ich sie gefunden habe.

In «Eines Tages» gehts um eine schwierige Vater-Sohn-Beziehung. Autobiografisch?

Meine Lieder erzählen immer von mir. Ich bin im Emmental noch in einer alten Welt aufgewachsen. Mein Vater und ich lebten in einer Art Gotthelf-Beziehung. Wenn ich nicht parierte, gabs Schläge. Das ist aber immer noch besser als heute, wo den Kindern keine Grenzen mehr gezeigt werden. Und ich muss zugeben: Ich war ein Saugoof. Mein Vater musste durch die Hölle – und ich auch.

Und wie ists bei Ihren Buben?

Wenn sie in die Pubertät kommen, gehts ab. Aber ich hoffe doch, dass ich meine beiden Buben später in die Arme nehmen und mit ihnen ein Bier trinken kann. Bei meinem Père und mir hat es 35 Jahre gedauert, bis ich sagen konnte: Doch, du hast alles richtig gemacht. Heute ist er 77 Jahre alt, und ich habe ihm bewiesen, dass ich etwas aus mir gemacht habe. Er ist beruhigt. Ich hoffe, dass ich das von meinen Kindern auch mal sagen kann.

Im Lied «Mir beidi» beschreiben Sie den Kampf gegen den Rest der Welt. Fühlen Sie sich unverstanden?

Ich habe immer polarisiert. Man mag mich, oder man hasst mich. Warum man mich wegen meiner Musik mag, hab ich nie verstanden. Doch wieso Leute mich ein Arschloch nennen, ohne mich zu kennen, verstehe ich noch weniger. Und es wird schlimmer, die sozialen Medien fördern das.

Die meisten neuen Lieder haben einen negativen Touch. Dabei hatte ich immer das Gefühl, dass das Leben es mit Gölä eigentlich noch gut meint. Irre ich mich?

Nein, mir geht es prächtig. Aber alles ist Yin und Yang. Alles hat zwei Seiten: Wenn mir die Liebe meines Lebens geschenkt wird, wächst gleichzeitig die Angst, sie zu verlieren. Alles hat eine schlechte Seite.

Hm ... trotzdem. Sie scheinen mir wie ein Wutbürger. Was halten Sie von Donald Trump?

In Amerika ist es völlig egal, wen man wählt. Im Hintergrund wirken andere Mächte. Wahlen sind wie Brot und Spiele für die Leute.

Würden Sie Trump wählen?

Das weiss ich nicht. Aber Donald Trump sagt: «Americans First!» Das gefällt mir. Das möchte ich auch von unseren Politikern in Bern hören: «Die Schweiz und die Schweizer zuerst!» Brüssel? Das geht mir am Arsch vorbei. Viele Regierungen in Europa haben vergessen, dass sie vom Volk gewählt wurden und zum Wohl von ihm handeln müssten.

Der Schweiz geht es aber immer noch überdurchschnittlich gut. Was läuft denn aus Ihrer Sicht falsch?

Wir machen unser Land selber kaputt. Alles, was unsere Grosseltern aufgebaut haben. In kürzester Zeit. Wir haben unfähige Politiker. Ohne Not haben sie das Bankgeheimnis aufgegeben. Die Swissair gibt es nicht mehr. Wieso musste keiner der Verantwortlichen dafür bezahlen? Stattdessen mussten wir Schweizer Steuerzahler dafür geradestehen.

Sie haben zwei abgeschlossene Lehren, sind ein top ausgebildeter Berufsmann und KMU. Den Büezer, den sie in ihren Liedern zelebrieren, gibt es eigentlich nicht mehr.

Hm, ich hab mich vom Büezer zum KMU hochgearbeitet. Ein Büezer ist für mich einer, der hart arbeitet. Ich bin ein Büezer und werde es bleiben. Aber viele Leute verstehen nicht, dass einer, der erfolgreich Musik macht, ein einfacher Mensch bleiben kann.

Interview: Stefan Künzli


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