Hollywood-Opas auf Beutezug

KINO ⋅ Altstars Michael Caine, Morgan Freeman und Alan Arkin wollen in «Going in Style» eine Bank ausrauben. Ein hüftsteifes Unterfangen.
15. April 2017, 09:58

«Dreissig Jahre harte Arbeit sind euch einen Scheissdreck wert», ruft Joe (Michael Caine) empört. Bei der Mitarbeiterversammlung ist soeben verkündet worden, dass wegen einer Firmenumstrukturierung keine Renten mehr ausbezahlt werden. Joe, seine Tochter und seine Enkelin werden in dreissig Tagen obdachlos sein. Also beschliesst Joe, mit seinen langjährigen Arbeitskollegen Willie (Morgan Freeman) und Albert (Alan Arkin) eine Bank auszurauben. Die Beute: genau der Betrag ihrer Rente, kein Cent mehr. Den fehlenden Schnauf soll ihre immense Lebenserfahrung wettmachen.

Michael Caine, Morgan Freeman und Alan Arkin bringen es zusammen auf 276 Lebensjahre und vier Oscars. Eigentlich gibt es nichts Gerechteres als diese drei verdienstvollen Herren, die sich zuletzt viel zu oft mit Nebenrollen als Butler oder grimmige Grossväter zufriedengeben mussten, endlich mal wieder in Hauptrollen zu sehen. Caine, Freeman und Arkin als schlagfertige Rentner, die jungen Bankern das Fell über die Ohren ziehen? Verheissungsvolle Aussichten.

Bloss: Der Film macht nicht halb so viel Spass, wie er sollte. In der lustigsten Szene überfällt das Filmtrio zwecks Training ein Lebensmittelgeschäft – und flieht auf einem Rollator. Doch dann suchen Joe, Willie und Albert Hilfe. Unter Anleitung eines Kleinkriminellen planen die Rentner ihren Beutezug bis ins Detail.

«Going in Style» ist ab diesem Zeitpunkt nur noch ein lustloses Abarbeiten dieser Details: Ausdauertraining? Check. Alibis? Check. Masken des Rat-Packs zur Tarnung? Check. Und dazwischen ein paar Alte-Männer-Probleme eingestreut. Das fühlt sich so an, als wäre der Film vor seiner Veröffentlichung so oft einem Testpublikum vorgeführt worden, bis seine Macher ja alle Ecken und Kanten abgeschliffen hatten. Überraschungen? Charmante Details? Fehlanzeige.

Eher ein Toyota als ein Ferrari

Angesichts des Talents, das hier auch hinter der Kamera wirkte, lag eindeutig mehr drin. Drehbuchautor Theodore Melfi etwa war für «Hidden Figures», seinen bissigen Film über afroamerikanische Wissenschafterinnen bei der Nasa, erst gerade für drei Oscars nominiert worden. Und Regisseur Zach Braff hatte einst mit seinen Filmen «Garden State» (2004) und «Wish I Was Here» (2014) ein Talent für herrlich verschrobene Filmszenen bewiesen. Gegenüber unserer Zeitung hatte Braff vor zweieinhalb Jahren noch beklagt, dass kaum ein Studio seine unkonventionellen Ideen finanzieren möchte. Jetzt scheint es, als habe das Regietalent einfach seine Segel gestrichen. Braffs neuer Kinofilm ist so konventionell geraten wie ein typischer Sonntagabendfilm im Fernsehen.

Oder anders ausgedrückt: Wie kommt ein hüftsteifer alter Mann am schnellsten zu seiner Bank? Na, in seinem Ferrari. «Going in Style» aber gleicht eher einem klapprigen Toyota mit platten Reifen und leerem Tank.
 

Lory Roebuck

kultur@luzernerzeitung.ch



Hinweis

Läuft in den Kinos Capitol (Luzern), Cinéboxx (Einsiedeln), Maxx (Emmenbrücke), Engelberg, Cinema 8 (Schöftland), Cinepol (Sins) und Gotthard (Zug).


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