Jodel, Groove und Volksmusik

LUZERN ⋅ Der Händel-Chor veranstaltete drei Konzerte mit dem Albin-Brun-Quartett und Isa Wiss. Das Programm «Holalodi» sorgte mit einer Mischung aus urchigen Klängen und musikalischen Experimenten für gute Stimmung.

28. November 2016, 07:20

Sonntägliches Stimmgewirr füllt den ausverkauften Theaterpavillon. Ein ausgedehntes Kontrabass-Solo von Claudio Strebel markiert den Auftakt, das Publikum verstummt, und nach und nach setzen Peter Estermann am Klavier, Markus Lauterburg am Schlagzeug, Albin Brun am Saxofon und Isa Wiss mit einem beherzten Jodel ein.

Schliesslich hebt auch der Händel-Chor zum Jodelgesang an, und es entsteht eine massige Klangwand, die für Gänsehaut sorgt. «Du fragsch, was i möcht singe» ist das erste Stück. Die Antwort: Volkslieder! Aber nicht einfach als vierstimmige Chor­arrangements, sondern als dramaturgisch ausgeklügelte Tour de Suisse.

Mitreissendes «Vreneli abem Guggisberg»

Zunächst bereist der Händel-Chor den Kanton Bern: «S Vreneli abem Guggisberg» wird zu einer groovigen Nummer, die dem zu Herzen gehenden Lied zwar etwas von seiner Tragik nimmt, aber mitreissende Soundkulissen bietet, vor der die Stimmkünstlerin Isa Wiss zu improvisatorischen Höchstleistungen auffährt. Ihre stimmliche Ausdruckspalette beeindruckt. In «S isch nümme die Zyt» macht Pirmin Lang seinen Händel-Chor zu einer vokalen Big Band, die Sänger und Sängerinnen imitieren Bläserstimmen und rhythmische Kicks. Ein Hauch von Folklore bleibt trotzdem immer hörbar. Die nächste Station ist die Romandie, wo Klassiker wie «Là-Haut sur la Montagne» nicht fehlen. Überhaupt begegnet man im Programm vielen altbekannten Volksliedern. Obwohl die eine oder andere unbekanntere Perle Freude gemacht hätte, bietet die Wahl des Repertoires einen grossen Vorteil: Durch den hohen Wiedererkennungswert können die musikalischen Experimente mit den Liedern umso schräger ausfallen. So kommt es, dass «Là-Haut sur la Montagne» in einem ausgelassenen kubanischen Groove mündet und Isa Wiss und Claudio Strebel um die Wette improvisieren.

«E Täller voll Chäs» als spritzige Ballade

Dann geht die Reise zurück in die Zentralschweiz, nach Luzern und Uri. Der Komponist Stephan Hodel macht aus «Ha gmeint I heig e Täller voll Chäs» eine spritzige Chorballade, und drei weitere Arrangements singt der Händel-Chor in astreinem Urnerdeutsch. «Holalodi», das letzte Stück vor der Pause, ist eine witzige, halbszenische Hommage an den Bauern, der seine Kühe in den Stall treibt – auch hier ist Isa Wiss mit ihrer Verkörperung des Landwirts heimliche Protagonistin. Auf diese rund achtzig Minuten urchiger Chormusik folgt in der zweiten Hälfte das Albin-Brun- Quartett mit Isa Wiss. Auch diese Stücke sind von Volksmusik geprägt, nur findet Brun (jetzt am Schwyzerörgeli) seine Inspiration sowohl im Appenzellerland als auch an der ligurischen Küste oder in Südafrika. Die Spielfreude der fünf Musiker ist ansteckend, beschwingt summend tritt das Publikum den Heimweg an.

Katharina Thalmann
 


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