Musiker Mark Oliver Everett: «Ich bin weicher geworden»

POP ⋅ Nach Kreativ- und Babypause feiert Mark Oliver Everett auf dem neuen Eels-Album «The Deconstruction» die Schönheit und Unvorhersehbarkeit des Lebens.
11. April 2018, 04:39

Im Neuausrichten seiner Work-Life-Balance hat Mark Oliver Everett ganze Arbeit geleistet. Er heiratete zum zweiten Mal und wurde Vater. Im wunderhübschen, einminütigen Schlaflied «Archie Goodnight» hält der Kleine auch Einzug auf dem neuen Album «The Deconstruc­tion». «Ich dachte, ich würde nie Kinder haben und bin auch ein bisschen spät dran mit Mitte Fünfzig. Doch dieser süsse, wunderbare kleine Junge ist eine fantastische neue Entwicklung in der Geschichte der Familie Everett.» Welche mit Schicksalsschlägen gepflastert ist – beide Elternteile starben früh, die Schwester nahm sich das Leben. 2008 veröf­fentlichte Everett die aufwühlende Autobiografie «Things The Grandchildren Should Know».

Everett verweigert sich der Verbitterung

«The Deconstruction» ist ein aufbauendes, optimistisches, ja fröhliches Eels-Album geworden. Von der sonst üblichen Schwermut sind nur wenige Stücke geprägt, «Premonition» etwa, oder der Titelsong, der ein wenig an frühe Songs der Eels wie «Novocaine For The Soul» erinnert. Das aufbrausende «Today Is The Day» wiederum dürfte ein Klassiker bei Konzerten wie Kin­dergeburtstagen werden, «You Are The Shining Light» oder «Bone Dry» bieten knusprigen Rock ’n’ Roll, «In Our Cathdral» ist eine Art Gospel aus der Feder eines Agnostikers, «There I Said It», ein lupenreines, in der Frühphase der Beziehung geschriebenes, Liebeslied, ist bedächtig, romantisch und vom Piano geprägt. «Die Welt ist ohne Zweifel ein verrückter Ort», weiss Everett, «aber sie ist auch immer noch voller Schönheit. Wir sollten es uns nicht so leicht machen und alles verteufeln, nur weil im Weissen Haus jemand sitzt, dessen Art wir ­ablehnen.» Er verweigere sich der Versuchung, bitter zu werden, sagt Everett. Im Gegenteil: «Ich stelle an mir selbst fest, dass ich mit dem Alter weicher, mitfühlender und menschenfreundlicher werde.» Und ergänzt mit Blick auf seine nicht nur musikalische Vergangenheit: «Ich bin nicht mehr so rüde wie früher. Wir alle sollten versuchen, netter miteinander umzugehen.» Denn das Leben sei kurz und unplanbar. Irgendwas ist immer. Wer wüsste es besser als Mark Oliver Everett? «Wenn du beschliesst, dass es nun genug der Dramen sei, dann passiert garantiert wieder irgendwas.» In seinem Fall war es sein Sohn Archie. Deshalb sagt Mark Oliver Everett als Fazit: «Man sollte sich mit den Realitäten arrangieren. Ein dauerhaft entspanntes und sorgenfreies Dasein ist ohnehin eine Illusion.»

Steffen Rü

th

Hinweis

Eels: The Deconstruction, Pias Coop/E-Works (Rough Trade)


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