Sängerprominenz auf Grossleinwand

«OPERA LIVE» ⋅ Die regionale Opernsaison startet in Kinos: Nach dem Stopp der Salle Modulable sieht man Live-Premieren aus Opernhäusern von London und New York in einem anderen Licht.

24. September 2016, 05:00

Die Luzerner Opernsaison startet in diesem Herbst gleich doppelt ausserhalb des Luzerner Theaters. Dieses zeigt zwar zur Eröffnung der Intendanz von Benedikt von Peter zeitgenössisches Musiktheater im «Globe» (Luigi Nonos «Prometeo», bis 15. Oktober). Aber grosse Oper bietet es erstmals ab 16. Oktober in einer Viscosi-Halle in Emmenbrücke, wo Verdis «Rigoletto» Premiere hat.

Grosse Oper gibt es aber gleich nebenan schon vorher im Kino Maxx, ebenfalls in Emmenbrücke: Hier startet am Montag eine der beiden Kinoreihen, die unter dem Motto «Opera live» prominente Premieren aus dem Royal Opera House in London (im Maxx) und aus der Met in New York (im Filmtheater des Verkehrshauses) zu uns bringen.

Modulable Oper auf Grossleinwand

Nach dem Nein zum Salle-Modulable-Projektierungskredit sieht man dieses Angebot für Opernliebhaber nochmals mit etwas anderen Augen, freilich nicht nur als Lückenbüsser. Zum einen trumpfen die Londoner Premieren mit Starbesetzungen auf. Und sie versprechen durchaus auch zeitgemässe Regieakzente. Ohnehin bringen sie Grossproduktionen auch im Bereich Tanz nach Luzern, die im kleinen Theater an der Reuss keinen Platz fänden.

Direktvergleiche mit dem Luzerner Theater provoziert die erste Opernpremiere im Maxx. Da wird (mit der Sopranistin Sonya Yoncheva in der Titelrolle) Vincenzo Bellinis «Norma» gezeigt, die als eines der Abschiedswerke der Ära Dominique Mentha eben erst im Luzerner Theater zu sehen war. Moderne Aspekte in dieser zeitlosen Liebesgeschichte verspricht die Inszenierung von Àlex Ollé von der katalanischen Theatergruppe La Fura dels Baus. Sie hatte vor ein paar Jahren für das Luzerner Theaters einen Keller des Verkehrshauses zu einer Art Salle Modulable umfunktioniert.

Die weiteren jeweils in Echtzeit gezeigten Opera-live-Premieren im Maxx Emmenbrücke bieten vor allem bekannte Repertoire-Klassiker aus Oper (von «Cosi fan tutte» bis «Otello» mit Jonas Kaufmann) und Ballett («Nussknacker»). Ähnliches gilt auch für zehn Opernpremieren, die das Filmtheater im Verkehrshaus ab 8. Oktober zeigt. Da gelangt mit Wagners «Tristan und Isolde» gleich zu Beginn ein Werk zur Aufführung, das räumlich wie akustisch den Rahmen des Luzerner Theaters bei weitem sprengen würde. Dass Met-Premieren ein Stück Lucerne Festival ins Kino bringen, zeigt die Starbesetzung unter der Leitung von Simon Rattle (mit Nina Stemme als Isolde, Stuart Skelton als Tristan und René Pape als König Marke).

Raumtheater in der zweiten Dimension

Zwischen Meisterwerken wie «Don Giovanni» oder «Rosen­kavalier» sowie Kaija Sariaahos «L’Amour de Loin» ergibt sich auch im Verkehrshaus eine Schnittstelle zum Luzerner Theater: mit Giuseppe Verdis «La Traviata» in einer Inszenierung von Willy Decker. Decker war auch der Regisseur der Salzburger «Traviata», die Anna Netrebko und Rolando Villazón als Traumpaar weltberühmt gemacht hat. Nur drei Wochen später steht die «Traviata» ganz allein im Luzerner Theater auf der Bühne, in einer ebenfalls bereits legendär gewordenen Inszenierung von Benedikt von Peter. Sie hat sich nämlich in Deutschland als Dauerbrenner beim Publikum bewährt und von Peters Ruf als innovativer Regisseur mitgeprägt. Die Pointe dabei ist, dass die Projektion von Opern auf eine zweidimensionale Kinoleinwand von Peters Vision eines Raumtheaters mit Nähe zum Publikum diametral widerspricht.

Hinweis

Maxx Emmenbrücke: «Norma», Mo, 26. September, 20.15 Uhr.

Filmtheater Verkehrshaus Luzern: «Tristan», Sa, 8. Oktober, 18 Uhr.

www.kitag.com

www.verkehrshaus.ch

Urs Mattenberger, Luzernurs.mattenberger@luzernerzeitung.ch


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