Tom Hanks leidet unter Amnesie

MYSTERYTHRILLER ⋅ Dan Browns Bücher sind Blockbuster, die Verfilmungen auch. «Inferno» ist der dritte Film ­ über den Symbologie-Professor Robert Langdon. Doch alles nutzt sich irgendwann ab.

12. Oktober 2016, 08:17

Selbst die beste Idee nutzt sich mit der Zeit ab. So ähnlich verhält es sich mit der Romanfigur Robert Langdon. Dem Autor Dan Brown gelang ein echter Coup, als er den Professor für Symbologie mit einem Hang zu mysteriösen und mörderischen Entwicklungen schuf. Dieser Langdon hat einfach alles: Schläue, Charme, eine Micky-Maus-Uhr und vor allem ein Spezialgebiet, das ihn ziemlich einzigartig macht in der von Kommissaren überbevölkerten Krimiwelt.

Die weltweite Gesamtauflage von Autor Brown liegt bei 200 Millionen. Seine Bücher wurden in 56 Sprachen übersetzt. Allein mit dem jüngsten Band «Inferno» hat der Verlag Bastei Lübbe nach eigenen Angaben bisher mehr als 15 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet.

Spätestens beim dritten Abenteuer aber ist es mit der Einzigartigkeit nicht mehr allzu weit her – im Buch wie im Film. Mit «Inferno» kommt jetzt jene dritte Verfilmung nach «The Da Vinci Code» und «Angels & Demons». Damit wird das jüngste Buch der Nummer drei, dem «Verlorenen Symbol», vorgezogen.

Wie immer darf eine schlaue Brünette nicht fehlen

Oscar-Preisträger Tom Hanks muss sich dieses Mal mit einer tödlichen Seuche auseinandersetzen. Ein Milliardär will das Virus freisetzen, um das Überbevölkerungsproblem ein für alle Mal zu lösen. Langdons Schwierigkeit dabei: Er hat sein Gedächtnis verloren, wacht mit einer Schusswunde am Kopf im Spital auf und muss erst einmal herausfinden, was er bereits herausgefunden hat, wer ihn angeschossen hat – und wie zur Hölle er überhaupt in Florenz gelandet ist.

Kulturstädte spielen beim US-Amerikaner Dan Brown eine grosse Rolle. Sie machen auch die unverkennbare Ästhetik der Filme aus, deren Schlüsselszenen vorzugsweise in Kathedralen (Petersdom, Pantheon, Westminster Abbey) oder Museen (Vatikanische Museen, Louvre) spielen. In «Inferno» sind es die Uffizien und der Markusdom in Venedig. Dan Browns Geschichten kurbeln schliesslich immer auch den Tourismus an.

Und weil ein Dan-Brown-Film ohne hübschen, dunkelhaarigen und Langdon geistig überlegenen weiblichen Gegenpart kein Dan-Brown-Film wäre, steht dem Professor die Ärztin Sienna Brooks (Felicity Jones) zur Seite. Der Schlüssel zu allem liegt wie immer in mystischen Überlieferungen aus längst vergangener Zeit: dieses Mal im «Inferno», dem ersten Teil von Dante Alighieris «Göttlicher Komödie».

Ein schlechter Film ist «Inferno» von Regisseur Ron Howard nicht – kann er ja auch gar nicht sein, wenn Hanks die Hauptrolle spielt. Spannend ist er durchaus, allerdings wohl eher für diejenigen, die die ersten beiden Filme noch nicht gesehen haben; von den Büchern ganz zu schweigen.

Neues Buch ­ bereits angekündigt

Dass es auch in «Inferno» am Ende gerade noch mal gut geht, ist keine Überraschung. Schliesslich hat Brown schon Langdons neues Abenteuer angekündigt. Im September 2017 soll sein neuer Thriller mit dem Titel «Origin» in den USA und in Kanada erscheinen. Im deutschsprachigen Raum werde das Buch zeitgleich bei Bastei Lübbe veröffentlicht, kündigte der Kölner Verlag an. Wieder soll es um geheime Codes, Wissenschaft, Religion, Geschichte, Kunst und Architektur gehen.?????

Hinweis

«Inferno» startet morgen in den Kinos Capitol + Moderne (Luzern), Cinema Leuzinger (Altdorf), Lux (Baar), Cinéboxx (Einsiedeln), Maxx (Emmenbrücke), Engelberg, Cinema 8 (Schöftland), Mythen-Forum (Schwyz), Seehof (Zug).

Britta Schultejans, dpakultur@luzernerzeitung.ch

Thriller von Ron Howard nach dem gleichnamigen Bestseller von Dan Brown. «Inferno» ist der vierte Roman um den Symbologen Robert Langdon, im Film gespielt von Tom Hanks. Kinostart: 13. Oktober 2016. (Tel-A-Vision, 27.09.2016)




Login


 

Anzeige: