Visions du Réel-Preis für irakischen Film

DOKFILMFESTIVAL ⋅ Einen Tag vor Festivalende sind am 46. Visions du Réel die Preise vergeben worden. Der Hauptpreis des Dokfilmfestivals in Nyon, der Goldene Sesterz, geht mit "Homeland (Iraq Year Zero)" von Abbas Fahdel an einen sechsstündigen Ausnahmefilm.

24. April 2015, 20:50

"Dieser Film ist ein Standardwerk, ein Schlüssel zum Verständnis der Geschichte und der Gegenwart des Nahen Ostens", sagte Direktor Luciano Barisone über den Gewinnerfilm des Internationalen Wettbewerbs. "Homeland (Iraq Year Zero)" zeigt eine irakische Familie vor und nach der US-amerikanischen Militäroperation von 2003. Der Goldene Sesterz ist mit 20'000 Franken dotiert.

Ob der sechsstündige Film je in den Kinos zu sehen sein wird, ist offen. Bereits am letztjährigen Festival del film in Locarno gewann mit "Mula sa kung ano ang noon" von Lav Diaz ein Werk, das seinen Zuschauern einiges abverlangt: Der Schwarz-Weiss-Spielfilm des philippinischen Regisseurs ist fünfeinhalb Stunden lang.

Preissegen auch für Schweizer Werke

Der Silberne Sesterz in der Höhe von 10'000 Franken ging an die syrisch-libanesische Koproduktion "Coma" von Sara Fattahi. Über Auszeichnungen durften sich auch Schweizer Filme freuen. "Imagine Waking Up Tomorrow And Music Has Disappeared" von Stefan Schwietert wurde mit dem Preis für den besten Schweizer Film aller Kategorien (15'000 Franken) geehrt.

"Une jeunesse allemande" von Jean-Gabriel Périot erhielt die Auszeichnung für den innovativsten Schweizer Langfilm der SSA/Suissimage-Jury (10'000 Franken), Eileen Hofers "Horizons" und "Totally Lies" von Robin Mognetti durften sich je über eine spezielle Erwähnung freuen.

Neuer Besucherrekord

Mit 35'000 Besucherinnen und Besucher konnte das Visions du Réel, das als eines der weltweit bedeutendsten Festivals seiner Art gilt, nochmals eine Zunahme der Zuschauerzahlen verzeichnen; letztes Jahr besuchten 33'000 das Dokfilmfestival.

Auf dem Programm der 46. Ausgabe, die am Samstag zu Ende geht, standen 166 Filme aus 54 verschiedenen Ländern. Die filmische Qualität der Werke sei von Kritikern und Jury gleichermassen gelobt worden, freuten sich die Organisatoren in ihrem Communiqué vom Freitag.

Einen Fokus hatte das Festival in diesem Jahr auf Frauen vor und hinter der Kamera gelegt. Die Filme porträtierten starke und ungewöhnliche Frauenfiguren, über 40 Prozent der Filme stammten von Filmemacherinnen.

Die starke Präsenz der Frauen widerspiegle sich auch in den diesjährigen Auszeichnungen, schrieben die Organisatoren: Fünf Filmemacherinnen seien in diesem Jahr in einer der Lang-, Mittel- oder Kurzfilm-Kategorien ausgezeichnet worden. (sda)


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