Afrika im Wohlfühlbad

THEATER ⋅ Die Willisauer Schauspielerin Vreni Achermann und der Musiker Sadio Cissoko aus Senegal sind die beiden Protagonisten auf der Rathausbühne in Willisau: Sie im Badezimmer beim Monolog, er als Musiker und Sänger irgendwo draussen im Wüstensand.
01. Dezember 2017, 08:05

Die Frau träumt davon, ein Palazzo-Bad einzurichten: Body Celebration mit dem Duft von «Dream of Africa». Doch da sind die fremden Menschen, die im Strassenbild auftauchen, die ihr in den Sinn kommen. Und schon beamt sie die Imagination nach Afrika. Am Ende treibt sie im Meer, wie ein verzweifelter Flüchtling, droht unterzugehen, ertrinkt. Es wäre ein konsequentes Ende gewesen, aber dann findet sie sich wieder im Badezimmer, das Gerümpel ihrer Wellness-Therapie liegt noch herum. Der Musiker nimmt neben ihr Platz, zusammen singen sie leise ein Lied.

«Badezimmer», geschrieben von Ingrid Lausund, ist die aktuelle Produktion der Willis­auer Theatertruppe von «visch & fogel theater unterwegs». Regie führt Gisela Nyfeler. Sie gestaltet den Monolog mit einfachen Mitteln. Die Szenerie in der Alltagssituation eines Badezimmers pendelt etwas im Ungefähren und wird zwingender, als die Frau quasi zum Flüchtling wird.

Eine Person wie fast du und ich

Vreni Achermann zeigt mit dem langen Text eine bravouröse Leistung. Sadio Cissoko spielt mehrheitlich die Kora und erzeugt im Nu Emotionen. Die Musik verleiht dem wortreichen Stück einen ruhigen Gegenpol und einen Imaginationsraum. Man kann dort kurz verweilen und auftanken, bevor man wieder zur Frau zurückkehrt. Eine Person, wie fast du und ich, eine Vertreterin der Mitte, die vergleichsweise Luxusprobleme hat und selbst dann nicht stirbt, wenn sie ertrinkt. Das macht das Stück so traurig und auch so komisch. (pb)

Hinweis

Weitere Aufführungen an diversen Orten, www.visch-und-fogel.ch.

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