Am Montag fallen die Würfel

SPIEL DES JAHRES ⋅ Für die deutschsprachige Spielebranche ist die Auszeichnung wie die «Oscars» beim Film – mit Prestige und Geld verbunden. Wir nehmen sechs Spiele in zwei Kategorien genauer unter die Lupe.
15. Juli 2017, 09:27

Hendrik Breuer

Die Nominierten heissen «Wettlauf nach El Dorado», «Magic Maze» und «Kingdomino». Eines dieser drei Spiele wird am Montag in Berlin als «Spiel des Jahres 2017» ausgezeichnet. Damit dürfte dann für zumindest einen Spieleverlag das kommende Weihnachtsgeschäft gesichert sein. Denn als Faustformel gilt noch immer: Ein Spiel, das sich mit dem bekannten roten Logo schmücken darf, verkauft sich alleine im deutschsprachigen Raum mehrere hunderttausend Mal.

Doch wie gut sind die drei Nominierten wirklich? Wir haben sie schon einmal getestet, ebenso wie «Terraforming Mars», «Räuber der Nordsee» und die «Exit»-Spielereihe – diese drei sind zum «Kennerspiel des Jahres 2017» nominiert. Kennerspiele richten sich an Spiele-Enthusiasten, die tiefer ins Hobby eintauchen möchten.

Wettlauf nach El Dorado: Durch den Dschungel

Reiner Knizia, der 2008 schon einmal das «Spiel des Jahres» gewann, ist mit diesem Rennspiel zum sagenhaften Goldland ein grosser Wurf gelungen. Die Entdecker müssen sich zuerst ein passendes Kartendeck zusammenstellen, um den Dschungel (der sich immer neu zusammensetzt!) zu durchqueren. Das Spielprinzip ist einfach, doch die taktischen Möglichkeiten vielfältig. «El Dorado» ist ein im besten Sinne klassisches Spiel für die ganze Familie, und der Favorit auf die Auszeichnung.

Magic Maze: Hektik im Einkaufszentrum

«Magic Maze», das magische Labyrinth, ist ein kurzweiliges Spiel für bis zu acht Personen, in dem die Spieler gemeinsam und in Echtzeit versuchen, vier Helden durch ein verwinkeltes Einkaufszentrum zu lotsen. Alle sind immer dran und dürfen jede Figur bewegen, allerdings jeweils nur in eine Richtung. Zudem darf man nicht sprechen, was natürlich zu einigem Gelächter führt. Das ist lustig, funktioniert aber besser in feucht-fröhlichen Runden als mit der Familie.

Kingdomino: Puzzeln im Königreich

«Kingdom» («Königreich») plus «Domino» führten zum Titel «Kingdomino». Selten steckte im Namen eines Spiels so viel Programm wie in diesem unkomplizierten Legespiel, das man locker in zwanzig Minuten runterspielen kann. Die zwei bis vier Spieler dürfen sich in jeder Runde ein zweigeteiltes Plättchen nehmen und in ihr fünf mal fünf Felder grosses Königreich legen. Aufs richtige Timing und etwas Glück kommt es an. Das ist kinderleicht, doch rechtfertigt diese spielerische Klarheit tatsächlich eine Auszeichnung als bestes Spiel des Jahres? Das scheint schwer vorstellbar.

Räuber der Nordsee: Plündern was das Zeug hält

«Räuber der Nordsee» ist das schwarmfinanzierte Spiel des neuseeländischen Autors Shem Phillips. Das ist schon mal ungewöhnlich für die Spielebranche. Bevor es ans Räubern geht, müssen die Spieler (2–4) aber zuerst einmal eine schlagkräftige Truppe anheuern. Dann werden Häfen, Klöster und tief im Landesinneren gelegene Burgen ausgeraubt. Sonderlich blutrünstig geht es allerdings gar nicht zu, sondern strategisch, wie es sich für ein sehr rundes «Kennerspiel» gehört.

Terraforming Mars: Besiedlung des Planeten

«Terraforming Mars» ist das komplexeste unter den nominierten Spielen. Es richtet sich an Kenner, die sich ein Spiel erarbeiten wollen. Wer das tut, wird dann auch belohnt: Mit einem fantastischen Strategiespiel mit ungewöhnlichem, aber gut umgesetztem Thema. Der Besiedlung des roten Planeten durch konkurrierende Konzerne, die sich zwar zu übertrumpfen versuchen, aber den Planeten doch gemeinsam bewohnbar machen. Tolles Aufbauspiel für ein bis fünf Spieler, aber wohl doch zu kompliziert für eine Auszeichnung.

Exit: Escape-Raum für das Wohnzimmer

Escape-Räume als Brettspiel sind die Innovation des Jahres und die «Exit»-Reihe von Inka und Markus Brand mit mittlerweile sechs verschiedenen Räumen eines der besten Spiele-Produkte überhaupt. Deshalb sollte diese Serie auch ausgezeichnet werden. Die Spiele funktionieren wie ein realer Fluchtraum, in dem eine Gruppe (1–6 Spieler) Rätsel lösen muss, um zu entkommen. Das ist beste Unterhaltung für Familien und Freundeskreise und eine tolle Möglichkeit, aus einem drögen Spieleabend ein echter Event zu machen.

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