Geburtstag der Woche

Brian Wilson – Auch mit 75 immer noch «good vibrations»

Die Beach Boys feierten in den 60er-Jahren Welterfolge. Gründer und Genie der Band war ­Brian Wilson. Ein halbes Jahrhundert später tourt er immer noch um die Welt. Morgen wird er 75.
19. Juni 2017, 05:00

Nun ist Brian Wilson gerade irgendwo zwischen Hawaii, wo er zuletzt spielte, und Dänemark, wo er als Nächstes auftreten wird. Fast 50 Shows stehen bis Oktober an. Auf der Bühne steht Wilson indes ohne die anderen «Beach Boys», sondern mit einer Begleitband.

Wilson gilt als einer der grossen Visionäre der Popgeschichte. Die sonnigen Beach-Boys-Songs mit Surf-Feeling gingen um die Welt und begeisterten eine ganze Generation für das kaliforni­­- sche Lebensgefühl: «Fun Fun Fun», «Good Vibrations», ­«Little ­Deuce Coupe», «Help Me Rhonda» und «Surfin’ USA».

«Das beste Popalbum des 20. Jahrhunderts»

Wilson schrieb die Hits und produzierte auch fast alle der zwei Dutzend Beach-Boys-Alben. Mit «Pet Sounds» gelang ihm 1966 nach Ansicht vieler Kritiker das «beste Popalbum des 20. Jahrhunderts». Paul McCartney, der drei Tage vor Wilson seinen 75. Geburtstag gefeiert hat, sagte einst, dass ihn «Pet Sounds» zum Beatles-Meisterwerk «Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band» inspiriert habe. «Wir waren jung und haben uns gut ­gefühlt», sagte der äusserst wortkarge Wilson jüngst dem «Guardian». Noch heute, ein halbes Jahrhundert später, bereite es ihm Spass, die Songs auf der Bühne zu spielen.

Aber der Musiker hat nicht nur gute Erinnerungen an die damalige Zeit, wie er jüngst in seiner Autobiografie «I am Brian Wilson» darlegte. Besonders schwer sei es gewesen, über die Zeiten zu schreiben, «als ich Drogen genommen habe». Denn der Erfolg der Beach Boys und der selbstauferlegte Konkurrenzdruck zu den Beatles machten Wilson zu schaffen. Der Musiker hatte Nerven­zusammenbrüche, war süchtig nach Tabletten, nahm Haschisch, LSD, irgendwann auch Kokain, um seine Kreativität zu steigern. Schliesslich zerstritt er sich auch mit seinen Bandkollegen.

Noch heute wirkt Wilson, der auch über ein Dutzend Soloalben publiziert hat und vielfach preisgekrönt ist, oft hölzern, sein Gesicht ausdruckslos. Zur Beruhigung summt er häufig den Beatles-Song «Let it Be» vor sich hin. «Das ist für mich wie Valium.»

Zwei der Wilsons sind bereits gestorben

Mit den anderen Beach Boys, Mike Love und David Marks, hat sich Wilson inzwischen wieder versöhnt. 2012 brachte die Band das Comeback-Album «That’s Why God Made the Radio» heraus und ging auf ausverkaufte Welttournee. Wilsons Brüder Dennis und Carl, Bandmitglieder der ersten Stunde, sind 1983 beziehungsweise 1998 gestorben.

Dieser Tage arbeitet Wilson gerne mit jungen Künstlern zusammen. Auch ist er gerne mit seiner zweiten Frau Melinda und seinen sieben Kindern zusammen, wenn er nicht auf Tour ist. «Man hat nie genug Zeit für die Menschen, die man liebt.»

Christina Horsten (DPA)
kultur@luzernerzeitung.ch

Video: The Beach Boys - Good Vibrations

Dieser Ohrwurm der Beach Boys führte 1966 die Charts der USA und Grossbritanniens an. (youtube.com, 15.03.2016)




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